Das NEUE funktionelle Aufwärmen im Badminton - Teil 1

oder: Besser und gesünder Badminton spielen: Bereits 2007, damals angeregt von Jürgen Klinsmann und seinem neuen Fitnesstrainerteam rund um den Amerikaner Mark Verstegen, habe ich einen Zweiteiler zum funktionelle Aufwärmen im Badminton geschrieben.

Sechs Jahre sind seitdem vergangen. Jürgen Klinsmann weilt nicht mehr bei DFB noch beim FC Bayern, geblieben sind aber das Fitnesskonzept sowie das Personal aus Amerika. Und nicht nur im Fußball - egal ob es Nationalmannschaften wie die der Deutschen, der Argentinier, Belgier oder Polen, Vereinsmannschaften wie München, Bremen bis hin zu Istanbul sind – sondern auch in der Badmintonwelt hat „Functional Training“ aus den USA einen festen Platz und traditionellere Programme erweitert oder ganz abgelöst. Eindrucksvollstes Beispiel für mich: die Kooperation zwischen der chinesischen Olympiamannschaft und dem Team von Athletes’ Performance. So kann man die Badmintoncracks aus dem Land der Mitte in der Turniervorbereitung zwar immer noch beim ausgiebigen Dehnen und Mobilisieren, deren traditionelle Art des Aufwärmens, beobachten aber eben auch mit modernen Mini-Band-Übungen, die 2006 noch von einem großen Boulevardblatt belächelt worden sind, und anderen Komplexübungen wie Standwaage, Ausfallschritt mit Rotation oder Einbeinkniebeugen.
 
Sechs Jahre aber auch, wo ich viele Anpassungen und Veränderungen – durch neue Erfahrungen, Untersuchungen und Fortbildungen an „dem“ funktionellen Warm-Up-Programm für Badminton vorgenommen habe. Wenn es dies überhaupt gibt. Eigentlich ein Widerspruch in sich. Funktionell, lange Zeit ein zu oft in den Mund genommenes Wort, alles war plötzlich funktionell was wackelte, vibrierte oder mit Bändern und neuen Trainingsgeräten zu tun hatte. Funktionell bedeutet im Zusammenhang des Aufwärmens für mich insbesondere zwei Dinge, zielführend und praktisch im Sinne von einfach durchzuführen und lernen. Was aber genau bedeutet „zielführend“?
 
Zielführend ist ein modernes Aufwärmprogramm für mich, wenn es nicht nur den Hauptgedanken des Aufwärmens, also der Vorbereitung auf die folgenden Belastung, sprich das Badmintonspiel oder –training, sondern auch Verletzungen vorbeugt, moderne Gesellschaftsproblematiken bearbeitet und sogar die Leistung auf dem Spielfeld verbessert.
 
Unter Gesellschaftsproblematiken verstehe ich die Haltungs- und Bewegungsproblematiken, die in den modernen Dienstleistungsgesellschaften durch wenig Bewegung, langes Sitzen und vermehrt Stress entstehen. Während kleine Kinder sich zum Beispiel problemlos mit geradem Rücken in die Hocke setzen können, schaffen dies immer weniger Jugendliche und Erwachsene. Diese Einschränkung führt zu Veränderung von Lauf- und Sprungbewegungen und letztendlich langfristig zu mehr Verschleiß der Gelenke. Langes Sitzen durch lange Schul- oder Bürozeiten sorgt für eine vorgebeugte Haltung, einhergehend mit einer Verkürzung der Brustmuskulatur und Hüftbeugemuskulatur und Beweglichkeitsverlusten in Hüfte und Brustwirbelsäule. Um nur einige zu nennen.
 
Wie aber Verletzungen vorbeugen oder gar die Leistung verbessern? Leistungsverbesserung steht nicht an erster Stelle sondern geht mit Verletzungsprophylaxe einher. Ein Beispiel um dies zu verdeutlichen: Eine gute Rumpfstabilität kann zum Beispiel vor Bandscheibenproblematiken schützen, ebenso aber den Energietransfer von der Hüfte auf den Schlagarm verbessern und somit die Smashgeschwindigkeit erhöhen. Bessere Rumpfstabilität sorgt ebenfalls für eine bessere Technik in den Umkehrpunkten in den Spielfeldecken – man ist also auch schneller auf dem Feld. Ganz allgemein geschieht dies letztendlich durch eine gute Auswahl von Mobilisationsübungen und Übungen mit kräftigendem Charakter. Welche Bereiche gilt es aber zu kräftigen?
 
Hier kann man einen globalen theoretischen Ansatz verfolgen und sich fragen, was die Gefahrenpunkte beim Badminton sind. Schnell kommt man durch die einseitige Schlagbelastung sowie durch das viele Starten, Abstoppen, Springen und Landen auf die Punkte Fußgelenk, Knie und Hüfte, Lendenwirbelsäule und Schulterkomplex – wie in den meisten anderen Spielsportarten also auch. Ich möchte hier jedoch einen praktischeren Ansatz und seine qualitativen Ergebnisse vorstellen.
 
Seit 2007 habe ich mit ca. 200 Badmintonspielern den Functional Movement Screen durchgeführt. Der von Gray Cook entwickelte Bewegungstest besteht aus sieben Testübungen, die Defizite und Schwachstellen in für Spielsportarten wichtigen Bereichen aufzeigen. Die typischen Schwachstellen, die im Badmintonbereich – sportart- und gesellschaftlich bedingt – auftreten sind:
 
- Fuß- und Hüftstabilität im Einbein- und Ausfallschrittstand - Einschränkungen in der Beweglichkeit der rückwärtigen Beinmuskulatur - Einschränkungen in der Beweglichkeit des Schulterkomplexes insbesondere der Brustwirbelsäule und der Innenrotation des Schlagarmes - Fehlende Stabilität im Bereich des Rumpfes sowohl was die absolute Kraft als auch die Koordination betrifft - Fehlende Schulterblattstabilität - Fehlende Tiefe in der Kniebeuge sowie ein Auswärtsdrehen der Füße.
 
Alle diese Problematiken bringen eine Vielzahl von Einschränkungen und potentiellen Gefahren mit sich. Wer das Schulterblatt nicht stabil halten kann und nicht beweglich genug im gesamten Schulterkomplex ist, wird früher oder später Probleme, wie Verhärtungen oder gar Schmerzen in der Schulter oder im Ellbogen bekommen. Wer nicht stabil im Rumpf ist und gar auf stabil auf einem Bein stehen, geschweige denn Landen oder im Ausfallschritt stehen kann, ist anfälliger für kurzfristige Verletzungen wie Umknicken oder gar langwierigen Probleme wie vermehrter Knorpelverschleiß in Knie und Hüfte.
 
Viel Arbeit also – und die Suche nach einem Aufwärmprogramm, das die zahlreichen Arbeitsgebiete in 12-15 Minuten komplett abdeckt. Gesucht sind also nicht 142 Übungen, sondern möglichst wenige Übungen mit möglichst wenig oder keinen Hilfsmitteln, die aber alle angesprochen Bereiche von Haltung, Bewegung und Verletzungsprophylaxe sowie das allgemeine Aufwärmziel „warm werden“ bearbeiten.
 
Ein mögliches Programm, das alle wichtigen angesprochen Punkte beinhaltet, kann folgendermaßen aussehen:
 
1) Brücke „hoch-runter“
2) Boden-Gleiten
3) T in Bauchlage
4) Laufen mit Armkreisen rückwärts 
5) Große Sidesteps mit Armen über dem Kopf schließen
6) Kreuzschritte mit Armbewegungen
7) „Halbe“ Skipping
8) Anfersen
9) Knie-zur-Brust-Gang
10) Ferse-zum-Gesäß-Gang
11) Knie-Fuß-zum-Gesäß-Gang
12) Frankenstein-Gang
13) Kniebeugen mit Armen oben 
14) Handwalk (2 Felder) 
15) Ausfallschritt rückwärts + 2x Armrudern + Knie zur Brust
16) Footwork-Übung „Tippeln auf der Stelle mit Armbewegungen“
 
Für weitere Details: Einige Videos zu den Übungen kostenfrei unter http://www.dr-badminton-training.de/badmintonsport hinterlegt. Desweiteren erscheinen in den kommenden Wochen im Shop die neuen Warm Up - Karten mit über 500 Fotos - die es in sich haben!
 
Viel Erfolg beim guten Aufwärmen,
 
Diemo Ruhnow
 
Gefällt Dir dieser Artikel und möchtest Du immer über neue Artikel informiert werden? Dann melde Dich kostenlos für den Newsletter an! Klicke auf den folgenden Link zum Anmeldeformular oder melde schicke eine Mail an diemoruhnow@web.de.
 
 
 

 

 

Artikelaktionen
 

Leadbox Portlet

Ebook Badminton

Booking

solibad

Badminton Reisen