WISSEN - Koordinative Fähigkeiten und ihr Training im Badminton – Teil 2

Nachdem der erste Teil eine kurze Einleitung zum Thema gegeben hat, behandelt der zweite Teil die noch ausbleibenden koordinativen Fähigkeiten.

Reaktionsfähigkeit
 
Unter Reaktionsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, möglichst schnell auf einen bestimmten Reiz zu reagieren. Dabei unterschiedet man Einfach- und Auswahlreaktionen, wobei letztere schwieriger zu trainieren ist, gerade im Badminton aber letztendlich eine Entscheidende darstellt. Schließlich soll der Spieler ja nicht auf ein Startsignal loslaufen (Einfachreaktion), sondern einen gegnerischen Smash auch bekommen (Auswahl welche Richtung / Höhe / Härte) und taktisch günstig platzieren (cross / longline / netznah / netzfern / Drive / hohe Abwehr), was also eine Auswahlreaktion darstellt.
 

Übung RE1: Starts und Sprints aus unterschiedlichen Lagen auf unterschiedliche Signale (optisch /akustisch)

Übung RE2: Start zum Ball bei vorgegebener Ecke und Schlaglösung (Bsp. longline Smash und kurz cross Abwehr)

Übung RA1: Schnelligkeitsspiel Stein/Schere/Papier – Sieger startet in Richtung A, Verlierer versucht ihn zu bekommen

Übung RA2: Abwehrübung Herreneinzel – Aufschlag, danach longline oder cross Smash mit entsprechender Abwehr in freie o. angezeigte Ecke

Rhythmisierungsfähigkeit
 
Unter Rhythmisierungsfähigkeit versteht man die Fähigkeit einen gegebenen Rhythmus zu erfassen bzw. aufzunehmen und motorisch umzusetzen. Beispielsweise muss man im Badminton seine Laufschritte zum Ball so anpassen, dass man diesen möglichst schnell aber auch ökonomisch mit dem Schläger erreicht. Eine Fähigkeit, die oft bei Anfängern nicht sehr gut ausgebildet ist, da diese nicht nur oft zu spät sondern auch oft zu früh an der richtigen Stelle sind, dann aber entweder nicht in Balance sind (weil Laufschritte noch nicht beendet) oder mit den Ball mit dem Schläger nicht kontrolliert schlagen können. Besser vorzustellen in der „alten“ Trainerweisheit „schnell zum Ball – dort ruhig schlagen – schnell aus der Ecke abdrücken“. Ein anderes Beispiel sowie eine Übungsreihe kann in dem Artikel http://www.dr-badminton-training.de/basic/ubungsreihe-fur-den-laufrhythmus-im-badminton nachgelesen werden - in dem es darum geht, den eigenen Laufrhythmus auf den Treffpunkt des Gegners anzupassen.
 

Übung R1: siehe verlinkter Artikel

Übung R2: verschiedene Laufarten durchführen, wobei ein Rhythmus vorgegeben ist und/oder durch Betonung verstärkt wird (Bsp. Chinasprung Sticksmash – schnell, schnell, Spruuuuuung)

Übung R3: Schattenbadminton zur Musik mit bestimmtem BPM

 
Umstellungsfähigkeit
 
Unter Umstellungsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, während einer begonnenen Handlung bzw. Bewegung diese jeweils an eine Situationsänderung oder an eine neue Gegebenheit anzupassen. Im Badminton kann man sich dies an zwei einfachen Beispielen verdeutlichen. Beispiel 1 – der Ball fällt auf die Netzkante, der Spieler muss seine Körperhaltung bzw. seinen Lauf anpassen und auch seinen Schlag abbrechen oder anpassen, um den Ball noch erfolgreich über das Netz spielen zu können – eine Fähigkeit, die sehr gute Spieler durchaus des Öfteren nutzen. Beispiel 2 – Lauf ins Hinterfeld, der Spieler plant einen Drop zu spielen und erkennt im Augenwinkel, dass der Gegner sich zum Netz orientiert (Orientierungsfähigkeit ist hier also auch gefragt) und im letzten Moment führt er doch einen für den Gegner überraschenden Smash aus, in dem der „härter zuschlägt“.
 

Übung U1: Zick-Zack-Ball fangen

Übung U2: Ballmaschine mit Schlagvorgabe – auf akustisches Signal vom im letzten Moment spielt der Spieler einen Clear / Trainer ruft, welchen Ball er spielen soll

Übung U3: Ballmaschine mit Schlagvorgabe longline – Vorderfeldspieler zeigt per Zufall im letzten Moment an, ob der Ball nicht doch cross gespielt werden soll / Vorderfeldspieler läuft im letzten Moment in eine Ecke, der Übende muss in die freie Ecke spielen

Gleichgewichtsfähigkeit
 
Unter Gleichgewichtsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, das eigene Gleichgewicht zu halten oder bei Balanceverluste (z.B. bei Netzsprüngen) dies schnell wieder herstellen zu können.
 

Übung G1: Balancieren auf Bank

Übung G2: Einbeinstand mit geschlossenen Augen / Hüpfen mit geschlossen Augen auf einem Bein

Übung G3: Netzsprünge mit Focus auf schnelles Wiedererlangen des Gleichgewichts.

 
 Viel Spaß beim Ausprobieren wünscht
 
Diemo Ruhnow
 

 

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