WISSEN - Koordinationsanforderungsprofil des Doppelaufschlages – Teil 1

Die Anforderungen an die Informationsaufnahme aber insbesondere der herrschenden Druckbedingungen werden hier analysiert und im zweiten Teil Empfehlungen für das Training daraus abgeleitet.

Neben der Einteilung der Koordination nach 7 verschiedenen Fähigkeiten (Differenzierungs-, Orientierungs-, Rhythmisierungs-, Gleichgewichts-, Umstellungs-, Kopplungs- und Reaktionsfähigkeit) kann man nach Neumaier eine Bewegungsaufgabe nach ihren Anforderungen an die Informationsaufnahme (z.B. optisch oder akustisch) und ihren Druckbedingungen (z.B. Zeitdruck) einteilen und bewerten. Dies ist nicht unbedingt in einer allgemeinen Grundausbildung von Nutzen (Kann es aber auch!), sondern kann auf fortgeschrittenen Niveau dazu genutzt werden, einzelne Aspekte mit ganzheitlichem Gedanken zu verbessen.
 
Aus dem Anforderungsprofil für den Doppelaufschlag möchte ich dann versuchen, Ableitung und Übungsideen für das Training zu entwickeln.
 
Die fünf informationsaufnehmenden Systeme sind die optischen, akustischen, verstibulären, kinästhetischen und taktilen Analysatoren , während die Neumaier die Druckbedingungen in Präzisions-, Zeit-, Belastungs-, Komplexitäts- und Situationsdruck einteilt, die im folgenden bezogen auf den Doppelaufschlag erklärt werden sollen.
 
Für den Doppelaufschlag im Wettkampf ist vor allen Dingen der optisch Anal ysator entscheidend – schließlich sollte der Aufschlag automatisiert sein und im Wettkampf nur noch die Frage, wohin schlage ich auf, beantwortet werden müssen. Im Training oder aber auch nach dem Aufschlag, sind die anderen Analysatoren aber durchaus entscheidend. Hier muss der Übende jetzt bewerten, wie sich das ganze angefühlt hat (taktil über den Griff), wie diese letztendlich ausgeführt wurde (kinästhetisch – d.h. welche Muskelgruppen oder Strukturen habe ich dafür genutzt (z.B. Ellbogenstreckbewegung)), welchen Klang das ganze hatte (akustisch – „war Schnitt im Ball?“) oder gar, ob ich in Balance stand (vestibulär), um den Aufschlag überhaupt in guter Qualität ausführen zu können.
 
Schauen wir nun auf die herrschenden Druckbedingungen, von denen einige für die Ableitungen für das Training interessant sind.
 
Betrachtet man die Komponente des Zeitdrucks sowie des Komplexitätsdrucks, erkennt man schnell, dass die Anforderung an diese beiden Komponenten relativ gering ist. Im Gegensatz zu allen weitere Schlägen hat man beim Aufschlag nun mal ausreichend Zeit und zudem ist dieser eine vermeintlich einfache Bewegung ist (im Vergleich zu einer Bewegung mit hohem Komplexitätsdruck (z.B. Jumpsmash), wo viele verschiedene Teilbewegungen kombiniert werden müssen).
 
Die Anforderung an den Präzisionsdruck ist dagegen unheimlich hoch – schließlich muss der Ball möglichst knapp über die Netzkante fliegen und sollte zudem möglich kurz sein, nur wenn dies der Fall ist, ist gewährleistet, dass ein guter Annehmer nur schwer einen Vorteil oder gar einen direkten Punkt erzielen kann. Dabei ist die Zielpräzision (der Ballflug) eng verknüpft mit der Verlaufspräzision, also der Schlagbewegung des Aufschlages. Die Folgerungen für das Training decken sich damit unmittelbar mit den Forderungen von Bundesjugendtrainer Holger Hasse, was die Qualitätsstufen des kurzen Doppelaufschlages angeht, wo die Forderung nach Präzision vor möglichen anderen Variationen an erster Stelle steht.
 
Der Situationsdruck beim kurzen Aufschlag fällt dagegen wieder etwas geringer aus – je besser man auf den jeweiligen Gegner vorbereitet ist desto geringer auch der Situationsdruck. Mit zur Aufschlagsituation kann man die nachfolgende Deckung zählen, ist hier der Gegner gut gescoutet, kann man schon vor dem Spiel absprechen, wohin aufgeschlagen werden sollte und wie entsprechend gedeckt werden kann – letztendlich im den Situationsdruck zu mindern. Weiterhin zum Situationsdruck zählen die Umweltanforderungen, hier können viele „gegnerische“ Zuschauer, schlechte Lichtverhältnisse oder auch ein penibler Aufschlagrichter die Druckbedingung der Situation zwar erhöhen, aber aufgrund der dennoch statischen Aufschlagsituation bleibt diese doch hin dem Präzisions- und dem folgenden Belastungsdruck hinterher.
 
Betrachtet man den nämlich diesen Belastungsdruck begibt man sich insbesondere bei der psychologischen leicht auf argumentatives Glatteis. Nachdem physiologisch der Druck nach erschöpfenden Ballwechseln und gegen Ende des Spieles erhöht ist, kann die „psychologische Anspannung“ bzw. besser ausgedrückt der psychologische Belastungsdruck  zu Anfang bereits hoch, gegen Ende abfallen oder gegen Ende auch sprunghaft wieder ansteigen. Für alle jene lassen sich heuristische Beispiele finden, denkt man z.B. an den ersten Aufschlag eines Spielers, der gerade zum ersten Mal bei einem großen Turnier aufschlägt oder aber die Situation 20:20 im Entscheidungssatz. Glatteis? Ja – denn letztendlich sollte der Spieler es schaffen, weg von der Lageorientierung sich auf seine Handlung (Handlungsorientierung) zu konzentrieren, nämlich einen kurzen Aufschlag über das Netz zu spielen. Schließlich sollte es „eigentlich“ kein Unterschied sein, ob man alleine in der Halle Aufschläge übt, oder ob auf der anderen Seite ein Spitzenspieler darauf wartet, den eigenen Aufschlag anzugreifen – und daher den Aufschlag eher als eine Situation ohne viel Situationsdruck betrachten. Zum anderen gibt es natürlich Spieler, deren Wettkampfgeist bei 20:20 „erst Recht“ entfacht ist und diese Situation besser bewältigen, als Spieler, die solche Situationen am liebsten meiden würden. Dennoch – der Situationsdruck ist als sehr hoch einzustufen – und genau diese Situation sollte trainiert werden – um auch in den entscheidenden Momenten den besten Aufschlag liefern zu können.
 
Herzlichen Glückwunsch an den Leser, der sich bis hierher durch viel Theorie gekämpft hat, welche  aber dennoch sehr wertvoll zum Verständnis ist. Im zweiten Teil möchte ich ein paar Ableitungen für das Training mit Übungsbeispielen vorstellen – ich hoffe, ich habe niemanden mit den theoretischen Gedanken abgeschreckt und wünsche weiter viel Spaß auf der Seite.
 
Diemo Ruhnow
 

 

 

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