WISSEN - Mentales Techniktraining Rückhand

Eine kontrollierte und effiziente Rückhand in alle Feldbereiche zu spielen erfordert eine saubere Technik und Abfolge der einzelnen Schlagelemente – gerade wenn schon eine vermeintlich falsche, oder sagen wir mal ineffiziente Bewegung eingeschliffen ist.

Wer kennt das nicht? Das leidige Problem Rückhand? Man kann zwar eine Rückhand spielen, oft aber ohne Kontrolle, zu verkrampft oder verreißt das ganze und ist ganz und gar nicht mit ihr zufrieden. Oder als Trainer? Man möchte mit seinen Kids das Thema „Rückhand über Kopf“ angehen, der eine trifft die Bälle schon ganz gut, während andere noch etwas unkoordiniert in der Luft herumstochern.

Thema des Artikels soll Mentales Techniktraining sein. Ich möchte hier gar nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Hier soll also keine komplette Visualisierung vorgestellt werden, weder möchte ich  eine wissenschaftliche Erklärung, die durchaus möglich ist, geben. Lediglich möchte ich darstellen, wie es mir oft gelingt, erhebliche Verbesserungen der Rückhandtechnik zu erreichen.
Eine kleine Überlegung ist vorher von Nöten: Man kann die verschiedenen Rückhandüberkopfschläge in zwei Kategorien aufteilen, die abgestoppten Schläge (z.B. Clear oder schneller ansatzloser Schnittdrop), bei denen ich im wesentlichen gleichzeitig mit dem rechten Fuß auftrete und schlage, und den Schlägen, wo ich durch den Ball durchschlage und mich schon mit der Schlagbewegung wieder in Richtung der zentralen Position bewege (z.B. neutrale Rückhanddrop). Dem einen fallen Schläger der ersten Kategorie leichter, während dem anderen Schläge der zweiten Kategorie als natürlicher vorkommen. Im Einzeltraining kann man dies getrost ausnutzen und beginnt erst einmal mit dem Schlag, den man vielleicht schon rudimentär erkennen kann, im Gruppentraining vielleicht mit dem Schlag, den der Großteil der Gruppe schon etwas näher ist. Auf jeden Fall sollte man sich dieser beiden Kategorien bewusst sein. Beherrscht man einen Rückhandschlag schon ganz gut, ist der Weg zu den anderen nicht mehr weit – erst in jüngster Vergangenheit bastelte ich mit einer Athletin ein paar Trainingseinheiten am neutralen Rückhanddrop, als dieser dann schon ganz gut klappte, folgten Clear, Crossclear und Rückhand-Smash innerhalb von nur 10 Minuten.
 
Was ich nun oft mit Athleten tue, ganz gleich, ob es sich um Neu- oder Umlernen handelt, ist, dass erst einmal ohne Ball losgelegt wird. Sicherlich nicht überraschend, aber wird oft vergessen. Die Bewegung ohne Ball hat den Vorteil, dass ich mich nicht auf ein externes Objekt anpassen und konzentrieren muss, sondern ohne Zeit- oder räumlichen Druck die Bewegung durchführen kann. Klappt die Bewegung im Trockenen schon ganz gut und sieht sie für den Trainer flüssig aus, gibt man dem Athleten die Aufgabe, sich vorzustellen, dass er jetzt einen realen Ball kommen sieht und diesen schlägt sowie dieser z.B. beim Clear ins Hinterfeld fliegt.
 
Das wichtigste Ziel beim Techniktraining ist, dass der Athlet die Bewegung erfühlen kann und nach dem Schlag weiß, warum der Ball jetzt so oder so geflogen ist. Dabei geht es nicht darum, zu sehen, ob der Ball am gewünschten Ort gelandet ist („knowledge of result“), sondern darum zu wissen, was der eigene Körper gemacht hat, wie die gesamte Bewegungsfolge (Stichpunkt kinetische Kette) abgelaufen ist bzw. was optimiert werden muss. Man spricht von „knowledge of performance“. Als Hilfe dazu lass ich den Athleten die Augen schließen und dann 8-12 Bewegungen des z.B. Rückhandclears durchführen. Als weitere Aufgabe gebe ich mit: „Spüre die Bewegung“, „Spüre, was dein Ellbogen macht“ oder „Spüre, ob und wie flüssig sich die Bewegung anfühlt“. Dieses Konzentrieren auf seine eigene Bewegung bei Ausschaltung des optischen Sinnes hilft oft schon, dass Übungen mit dem Ball besser durchgeführt werden können und eigene fehlerhafte Bewegungen besser erkannt werden. Diese „Geschlossene-Augen-Variante“ wechsel ich dann oft ab mit den Aufgaben, dass ganze mit offenen Augen durchzuführen, vor dem Spiegel durchzuführen oder sich das ganze nur vor dem inneren Auge ganz ohne Bewegung abspielen zu lassen.
 
Letzteres ist besonderes hilfreich bei schon automatisierten ineffizienten Bewegungen, kommt einer kompletten Visualisierung schon etwas näher. Hier ist es jetzt von Nöten, dass dem Athleten gewisse Knotenpunkte, an denen es vielleicht hapert, mit in die Vorstellung gegeben werden. Diese können zum Beispiel sein „Ellbogen Richtung linke Brust“, „Ellbogen heraus beschleunigen“ oder „Stoppen am Ball“. Das Ganze kann dann zu erst auch in langsamer Geschwindigkeit ablaufen (Vorstellung einer Zeitlupe), in schnellere Geschwindigkeit können die Knotenpunkte durch einfache Schlüsselwörter wie „rein“, „los“ oder „Stopp“ abgekürzt werden und später ganz weggelassen werden.
Diese 2-3 verschiedenen Maßnahmen lasse ich dann in dieser Reihenfolge, manchmal auch individuell durchführen und nicht selten sind meine Athleten davon überrascht, mal plötzlich im Training den Ball und Schläger fallen lassen zu müssen und mental ein Schlag zu optimieren.
 
Ich hoffe, der Leser hat einen kleinen Einblick in einen möglichen Optimierungsweg der Rückhand bekommen, ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren.
 
Diemo Ruhnow
 
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