VIDEO Badminton Technik: Swip am Netz Unterarmdrehung oder Lockerlassen-Zufassen

Jede Sportart entwickelt sich ständig weiter. Technikbilder verändern sich und werden angepasst. Prinzipien sind jedoch überdauernd. Unter diesem Aspekt schaut dieser Artikel auf Techniken im Vorderfeld.

Schaut man auf die historische Entwicklung der Technik- oder auch Trainerausbildung in Deutschland kann man grob sagen, dass in den 90er Jahren die Unterarmdrehung als beschleunigendes Schlagelement und damit relativ große Schleifen zur Vermittlung (bzw. Ausführung) von bestimmten Schlägen im Unter- und Seithandbereich genutzt worden sind – die Biomechanik stand hier im Vordergrund. Im neuen Jahrtausend wurde die vermittelte Technik dann unter dem Gesichtspunkt der Funktionalität auf den Prüfstand gestellt. Kurze Schleifen und „neue“ Bewegungsprinzipien wie „Lockerlassen-Zufassen“ oder „Ellbogenstreckbewegung“ rückten in den Fokus, die im „alten“ Technikbild zu wenig Betrachtung gefunden hatten. Was hat sich seit dem geändert, hat sich etwas verändert?
 
Drei Dinge sind für mich persönlich seit dem geschehen. Zum einen hab ich bestimmte eigene Technikbilder (wie z.B. die Rückhand-Abwehr aus der Vorhandseite) durch Beobachtung und Befragung chinesischer Trainingspartner während meiner China-Aufenthalte in Beijing und Changsha angepasst. Diese vereinten für mich Teile des alten „biomechanischen“ Technikbildes mit entsprechender Funktionalität. Zweitens habe ich durch intensiven Input zweier ehemaliger dänischer Kollegen Jakob Hoi und John Dinesen viele hilfreiche Details erfahren, um mein Technikbild zu verbessern. Diese konnten sehr gut aus Ihrer „externen“ Rolle auf deutsche Spieler schauen und gewisse Parallelen zwischen Ausbildung und Techniken der Spieler erkennen. Zu guter Letzt eignet sich meine momentane Tätigkeit als Bundestrainer sehr gut dazu, immer wieder zu prüfen, welche Bilder und Prinzipien in der Weltspitze zum Tragen kommen und welche schlichtweg nicht mehr funktionieren. Gepaart mit mittlerweile fast krankhafter (hoffentlich positiver) Recherche, High-Speed-Videobetrachtungen und Vergleich aus anderen verwandten Sportarten sowie Austausch mit Experten wie z.B. Dr. Wolf Garwin entstand und entsteht (m)ein neues Technikbild, dass biomechanische Gesichtspunkte unter funktional-taktischen Anforderungen im Vordergrund sieht. 

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Wie sieht dies jetzt konkret aus? Zunächst gilt es festzuhalten. Keine der bisher vermittelten Bewegungselemente verschwindet – jedoch ändern sich Anteil innerhalb einer bestimmten Bewegung. Aber – dies war auch schon immer präsent. Kein Spieler nutzt den selben vermittelten Schlag in gleicher Art und Weise. Verschiedene Körpermaße, wie z.B. Größe der Hand, Länge des Unter- oder Oberarmes, setzen schon Voraus, dass Anpassungen (individuell) getroffen werden, vom Trainer oder aber spätestens vom Athleten selber. Meist ganz automatisch. Ohne viel zutun.
 
Nun konkret: schauen wir auf die Technik Lift oder Swip am Netz. Wurde früher (<2000) die Bewegung oft mit einer großen Vorschleife (aktives Ausholen) und der Unterarmdrehung im Vordergrund gelehrt, hat man später (>2000) eine Verkürzung der Schlagbewegung sowie eine frühe Null sowie Treffpunkt in den Focus gestellt – einhergehen mit einer Mehrnutzung von Ellbogen-Streckbewegung und dem Prinzip „Lockerlassen-Zufassen“ bei früher Einnahme eine hohen Nullposition. Nachteile funktional: bei zu hoher Null ließen die Athleten den Ball zu tief fallen, teilweise bedingt durch eine nötige, wenn auch passive, Vorschleife. Insbesondere bei longline Lösungen vom Netz. Schauen wir zunächst auf die folgenden beiden Videos:
 
Vorhand Longline Swip am Netz:
 
 
Vorhand Cross Swip am Netz:
 
 
Man erkennt hier deutlich, dass der Spieler zwar eine kleine Streckbewegung für den Schlag nutzt, ggf. kann man auch etwas „Lockerlassen-Zufassen“ hinein interpretieren, aber Hauptelement des Schlages ist unverkennbar die gute alte Unterarmdrehung. Allerdings ohne (große) Vorschleife. Dies ist dadurch möglich, dass der Unterarm vor dem Schlag (auf dem Weg in die Null) in Richtung Supination eine lockere Vorspannung erhält, aus dieser Vorspannung wird nun aus der Null in Richtung Ball und gewünschter Schlagrichtung beschleunigt. Dies hat dann die folgenden Vorteile. Zum einen ist das Ganze sehr ansatzlos (funktional-taktisch), zum anderen ist die Bewegung durch die Vorspannung sowie durch das Nutzen der effektivsten Beschleunigungsbewegung (kleine Drehung des Armes bewirkt viel Bewegung des Schlägerkopfes) (biomechanisch). Verbessern könnte der Spieler im Video eine noch bessere Vorspannung vor dem Schlag, so dass absolut kein Absinken des Schlägerkopfes mehr nötig sind. Perfekte Beispiele in der Weltspitze im Badminton sind hier Marc Zwiebler oder Lee Chong Wie.
 
Viel Spaß beim Philosophieren und darüber Nachdenken,
 
Diemo Ruhnow
 
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