WISSEN - Vielseitig am Schlägergriff

Im folgenden Artikel geht um die verschiedenen Griffhaltungen im Badminton.

In diesem Artikel, dem ersten Teil einer kleinen Reihe, wird es zunächst um die Theorie – aber keinesfalls trocken – gehen. In der nächsten Ausgabe werde ich versuchen, mehrere Übungsformen zu diesem Thema vorzustellen.
Griffhaltung, ist das denn überhaupt so wichtig? Natürlich! Zwar gilt der alte Spruch „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“ nicht ganz, aber in ihm steckt dennoch sehr viel Wahrheit. Was in der Grundausbildung im Badminton versäumt wurde, kann später meist nur sehr schwierig und unter kurz.- oder sogar mittelfristigen Leistungseinbußen nachgeholt werden. Das gilt ebenso für die allgemeine koordinativ-konditionelle Schulung, wie auch für spezifische Lauf.- und Schlagtechniken. Grundlage für die Ausführung der verschiedenen Schlagtechniken ist aber, natürlich neben der richtigen situativ angepassten Lauftechnik zum Ball, eine dem Schlag und damit dem Ort des Treffpunktes angepasste Griffhaltung.
Welche verschiedenen Griffhaltungen existieren nun? Einfache Frage, einfache Antwort: schier unendliche viele Griffhaltungen. Dies klingt vielleicht zunächst etwas verwirrend, schließlich ist es doch schon oft schwierig, Kindern die neu zum Badminton kommen, den vermeintlich richtigen Schlägergriff für Aufschlag und Clear zu lehren. Selbst die gängigen Griffhaltungen bzw. Begriffe wie „V-Griff“, „Rush- oder Bratpfannengriff“ oder „Daumengriff“ sind zu wenig für eine umfassende Grundausbildung, ganz zu schweigen vom Universalgriff, der ja eigentlich gar nicht so universal ist.
Zurück zur Unendlichkeit: Nach dem der Unendlichkeitsbegriff schon in der Mathematik den einen oder anderen zur Verzweiflung gebracht hat, soll er zumindest für das Badminton geklärt werden. Man kann für das Erklären der Griffe Uhrzeite benutzen. Zum Beispiel entspricht der klassische „V-Griff“ dann 12 Uhr während der klassische „Daumengriff“ für Rückhand Extension-Schläge (Schläge mit Ellbogenstreckbewegung, wie Töten oder Drive) einer Uhrzeit 3 Uhr entspricht und der „Rushgriff“ auf der Vorhandseite für selbige Schläger der Uhrzeit 9 Uhr. Alle Uhrzeiten dazwischen werden auch eingenommen, je nach Spielsituation, welchen Ball ich schlagen will und wo mein Treffpunkt in Relation zu meinem Körper ist.
Ein Beispiel der jeweils hinteren Ecken soll dies verdeutlicht werden: hat mich der Gegner mit einem Swip überspielt, so dass ich weder mit Umsprung noch mit Chinasprung den Ball erreichen kann, bin ich gezwungen, die Situation mit Ausfallschritt in die hintere Ecke zu lösen. Damit ich mein Handgelenk nicht überstrecken muss und damit in Schlagauswahl und Schlagqualität beschränkt bin, kann ich nun den Schläger leicht drehen, wie es Franziska Volkmann und Marc Flato (beide Schüler an der Eliteschule des Sports Alter Teichweg) auf den Fotos demonstrieren. 
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 Wer genau hinschaut wird erkennen, dass die Griffhaltungen im Hinterfeld, bestimmten Griffhaltungen im Vorderfeld entsprechen. Man kann als einfache Regel aufstellen, dass die Griffhaltung in der hinteren Vorhandecke der vorderen Rückhandecke entspricht und umgekehrt. Dies stimmt 1:1 für die im Hinterfeld vom Körper weit entfernten Schläge neutral Drop und im Vorderfeld den Schlägen „Töten“ bzw. „Push“. Dies dient dann schon einmal zur Klärung, dass es den vermeintlichen Rückhandgriff, im Trainerjargon häufig benutzt, in Wirklichkeit gar nicht gibt.
Nochmals zurück zur Unendlichkeit: Bleiben wir im Hinterfeld, je nachdem wie weit letztendlich der Ball von mir entfernt ist, muss ich meinen Griff anpassen. Letztendlich gibt es einen fließenden Übergang aus dem Hinterfeld vom 9 Uhr Griff in der Vorhandecke (hinten) ins Vorderfeld zum 3 Uhr Griff in der Vorhandecke (vorne) und umgekehrt.
Als ein weiteres, konkretes Beispiel soll noch der Rückhand-Innenschnitt-Drop am Netz dienen. Hier macht ein reiner Daumengriff, oder 3 Uhr griff nicht viel Sinn. Ziel ist es ja mit dem Daumen die Bewegung des Schlägers zu unterstützen: Hier ist also vielmehr ein Griff auf das Achtel gefordert, was ungefähr eine Uhrzeit von 1 Uhr entspricht. Damit kann ich mit meinem Daumen die Bewegung des Schlägers unterstützen und letztendlich mehr Kontrolle gewinnen. Aus diesem Griff kann mit einer leichten Drehung des Schlägers auf 3 Uhr, der Daumen verbleibt dabei auf dem Achtel, ein Swip gespielt werden. Mit dieser kleinen Drehung habe ich zusätzlich eine bessere Schlägerkopfbeschleunigung, sowie bereits eine kleine Täuschung, da ich vorher einen Drop angedeutet habe.
Diese Beispiele sollen verdeutlichen wie wichtig es ist, dass ich bereits mit jungen Badmintonspielern beim Einstieg ins Training verschiedene Griffarten und damit verbundene Schläge übe. Noch wichtiger ist, dass ich auch als Trainer das „Schlägerhandling“, den Wechsel der verschiedenen Griffarten, auch unter Zeitdruck üben lasse. Nur so ist es dem Spieler möglich, später die für ihn und die Situation individuelle Griffhaltung früh einzunehmen und einen guten Schlag auszuführen. Themen, die ich schon mit dem kleinen 6-jährigen Badmintonspieler üben kann, aber auch im hochfrequentigen Bereich den Leistungs- oder Nachwuchsleistungssportler noch weiter nach vorne bringen.
Diemo Ruhnow
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