Badminton im Verein – Wie wird die Zukunft aussehen?

Immer wieder diskutiere ich mit Trainerkollegen an diversen Beispielen die Zukunft unserer Badmintonvereine im Kontext der sich wandelnden Gesellschaft. Dieser Artikel beschäftigt sich mit ein paar Visionen, Ideen und Lösungsvorschlägen.

Ich kann mich noch gut an meine eigene U17/U19-Zeit erinnern. Der Verein war im Umbruch, ein neues Präsidium wurde gewählt und es standen Entscheidungen an, in welche Bereich der Sparte von Mini-Schüler bis hin zur Hobbygruppe die knappen Gelder verteilt werden sollten und ob oder wie der Monatsspartenbeitrag erhöht werden sollte.
 
Heute haben wir 2013, zwei Jahrzehnte liegen zwischen meiner Jugendzeit und heute, und die Gesellschaft verändert sich spürbarer und schneller als zuvor. Heutzutage ist alles beschleunigt. Man schreibt eine Email und wundert sich, dass man 2 Stunden später noch keine Antwort hat – wie war das eigentlich im „Brief-Zeitalter“ und wie hat man dort alles organisieren können? Ging ja auch irgendwie. Langeweile? Gibt es nicht. Man greift zum Handy und blättert durch das spannende (?) Leben anderer oder bekommt min. 42 Möglichkeiten angezeigt, wie man sich die Freizeit vertreiben kann. Das man Kinder (siehe Bild) trifft, die in der Natur stundenlang ein Buch lesen, vom Alltag abschalten und eine eigene Traumwelt kreieren statt sie von der Playstation berechnen zu lassen, ist selten geworden. Dabei kommt doch Freizeit doch von „freie“ und „Zeit“ – in der Entspannen, Reflektieren und Nachdenken könnte. Selbst dazu besuchen wir Kurse, Coaches oder ganze Urlaube – es wird ja auch angeboten. Kinder aber auch Erwachsen springen von einer Activity zur nächsten, auf der Suche nach – ja nach was eigentlich? Das Angebot ist vielfältig. Zu groß vielleicht.
 
Mit diesen Angeboten konkurrieren wir als Badmintonverein. Aber können wir das? Mit Sicherheit. Aber wir müssen uns bewusst sein, was wir leisten müssen. Kinder wollen Spaß haben, sich messen, sich bewegen aber auch gelobt und geführt werden. Eltern wollen Ihre Kinder glücklich sind, sich bewegen, aber auch Ihnen auch Werte vermittelt werden – Gruppen- und Eigenverantwortung, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, Führung, Ziele setzen und verfolgen. Das alles kann der Sport leisten. Sozial- und Führungskompetenzen, Kompetenzen, die in Bewerbungs- und Einstellungsgesprächen immer wichtiger werden. Erwachsen suchen mehr und mehr nach Bewegung – aber unabhängig. Badminton ist angesagt, aber soll es auch unabhängig sein. Badmintoncenter können das einfach bieten. Viele greifen lieber etwas tiefer in die Tasche, mieten Court, manchmal sogar einen Trainer – sind dafür aber zeitlich flexibler als im Verein und werden auch nicht ständig gefragt, ob sie mal in der Mannschaft aushelfen können und wenn möglich 12 Wochenende in Jahre dafür bereitstehen. Aber kann genau dies nicht auch spannend und spaßig sein? Sicher doch. Aber dazu müssen wir als Verein etwas leisten.
 
Aber woher soll die Leistung kommen. Wir brauchen gute Trainer. Nur gute Trainer können dafür sorgen, dass Kinder aber auch Erwachsene sich Vereinen anschließen und dort auch dauerhaft verbleiben. Gute Trainer kosten Geld. Nun sind wir meiner Meinung nach beim Knackpunkt angekommen. Mir sind viele Beispiele bekannt, wo in Spartenversammlungen um eine Erhöhung um ein bis zwei Euro diskutiert wurde. Meist handelt es sich dabei sogar um die erste Erhöhung seit Jahren. Gut das wir an der Tankstelle nicht diskutieren dürfen. Wie aber mit einem Spartenbeitrag von 10-20 EUR einen oder gar mehrere gute Trainer bezahlen, geschweige denn Bälle, ein Vereinsausflug oder ähnliches. Schaut man auf die Beiträge erfolgreicher (=viele Kinder, viele Mannschaften, volle Hallen, gute Trainer) Vereine, wie z.B. den TV Refrath in NRW oder dem Horner TV in Hamburg, könnte man vielleicht ein linearen Zusammenhang aufstellen. Monatliche Kosten belaufen sich auf circa 25 bis zu 50 EUR, je nach Anzahl und Status der Trainingseinheiten – vergleichbar mit einem gutem Fitnessstudio – vielleicht auch kein Zufall. Dafür wir einem auch einiges geboten. Gute Trainer, viele Einheiten – viele Möglichkeiten.
 
25 bis 50 EUR – zuviel? Im Durchschnitt ist die Antwort nein. Eltern sehen sofort, dass den Kindern etwas geboten wird und das Training sinnvoll pädagogisch und der Verein oder die Trainingsgruppe mit Herz geführt werden. Mein bestes Beispiel was die Kosten betrifft: schon einmal im Kino gewesen? Sicherlich – 3-D-Film, Popcorn und Cola für 2 Erwachsene 2 Kinder am Wochenende, mindestens 55 EUR, bei nur ca. 2 Stunden Unterhaltung. Dafür gibt’s dann einen Monat gutes, qualifiziertes Badmintontraining. Oft kommt das Argument, dass es sich nicht jeder leisten kann, soviel für’s – und ggf. sogar zwei – Kind im Sportverein zu bezahlen. Meine eindeutige Antwort – dies ist falsch. Eltern sind bereit für gute Betreuung Geld auszugeben. Wichtig ist, eine Klausel einzubauen, die Kinder aus wirklich einkommensschwachen Familien ermöglicht wird, zu einem geringeren Beitrag, oder gar beitragsfrei zu trainieren. Ebenfalls was das Anmelden mehrere Kinder betrifft, auch hierfür sollte es eine Regelung geben. Gute Vereine tun dies.
 
Aber verlassen einige, insbesondere vielleicht ältere Hobbyspieler nicht das Vereinsleben. Kann sein. Aber wenn es an ein paar Euros lag, dann war aber auch die Wertschätzung nicht entsprechend. Ich selber habe in meiner Laufbahn drei Vereine bzw. Vereinsgruppen übernommen – aus verschiedensten Gründen reduzierte sich die Gruppe sofort von ca. jeweils 12 Personen auf 8-6 Personen, aber ein halbes bis ganzes Jahr später waren die Gruppen mit 20 bis 30 Personen jeweils mehr als voll. Wenn gute Arbeit geleistet wird, kommen auch die Mitglieder. Also keine Angst vor solchen Entscheidungen – wichtig nur, die Leistung und die Darstellung der Leistung (Verbreitung = Marketing) muss passen.
 
Hat man nun die Möglichkeit alle Trainingseinheiten mit motivierten Trainern zu bestücken, werden die Kinder (und deren Eltern) es danken – sie werden Freunde mitbringen, Erwachsene Ihre Kollegen und es kann mit dem Verein weiter bergauf gehen. Wer sich einbildet, einen guten Trainer, egal ob C/B/A-Trainer zwei oder drei Einheiten pro Woche dauerhaft motiviert bei einem Spartenbeitrag von 8 oder 11 Euro ist meiner persönlichen Meinung nach auf dem Holzweg – dafür haben wir 2013.
 
Schafft man Voraussetzungen wie z.B. der TV Refrath kann man langfristig Erfolg haben. Man bietet auf der anderen Seite auch Trainer die Möglichkeit sich zu entwickeln, sich zu bilden und auch zu professionalisieren. Durch Einbindung von Co-Trainer, vielleicht Jugendliche, die ein kleines Taschengeld bekommen bildet sich eine neue Generation von Trainern – die spätere im eigenen Verein (oder auch in anderen) eine führende Rollen übernehmen können und sorgen damit für langfristige Erfolgsmöglichkeiten.
 
Drehen wir also an der Schraube, an der wir drehen können und haben eine Vielzahl von positiven Effekten.
 
Viel Erfolg – beim darüber nachdenken, philosophieren, diskutieren und umsetzen– im Verein!
 
Diemo Ruhnow

 
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