Inken und Isabel: EM-Gold, Abiturstress und gute Freundschaft

Ein Artikel über die beiden "Goldmädels" aus Hamburg - geschrieben von Martin Oetzmann, Leiter der Geschäftsstelle des Hamburger Badminton Verbandes.

Hamburg. Rund vier Wochen sind seit den Jugend-Europameisterschaften im finnischen Vantaa verstrichen. Vier Wochen, in denen die Freude über Mannschaftsgold und zwei Bronzemedaillen bei Inken Wienefeld und Isabel Herttrich so langsam wieder der Routine des Alltags aus Schule und Training im Leistungszentrum am Alten Teichweg gewichen ist. Aber wirklich nur langsam. „Es ist mein größter Erfolg bislang. Der perfekte Moment“, schwärmt Inken, die hofft, mit dem Mannschaftsgold von Vantaa endlich einen finalen Strich unter eine lange Leidenszeit zu ziehen. Der EM-Titel als Startschuss. „Im letzten Jahr lief es bei mir nicht so gut. Ich hatte lange mit einem Bänderriss im Fuß zu kämpfen. Meine Erwartungen an die EM waren dementsprechend gering.“
 
Unverhofft kommt oft
 
Es sollte anders kommen. Inken und Isabel, Deutschlands U19-Doppel Nr.1, machten nicht nur im Halbfinale gegen Titelfavorit Dänemark den alles entscheidenden fünften Punkt, sondern sorgten auch im Finale gegen Russland im letzten Spiel für den ersten EM-Titel einer deutschen U19-Mannschaft seit 2003. Das Erfolgsgeheimnis der beiden ist die perfekte Harmonie auf und neben dem Platz. „Inken hat ihre Stärken im Hinterfeld, ich fühle mich vorne am Netz wohler. Das passt einfach“, analysiert Isabel. „Wir spielen mittlerweile seit fünf Jahren zusammen Doppel und verstehen uns auf dem Feld nahezu blind. Zudem sind wir einfach gute Freundinnen. Inken war einer der Gründe, warum ich nach Hamburg gegangen bin“, ergänzt Isabel, die im November 2009 den Schritt aus der fränkischen Heimat in die Hansestadt wagte. „Ich stand 1,5 Jahre vor dem Abitur und sah in Hamburg die Möglichkeit, parallel zum Abi richtig gut trainieren zu können. Ich hab es mir eine Woche hier angeschaut und dann gesagt: Ich will nach Hamburg.“
 
Fleiß und Disziplin
 
Die Entscheidung für die Hansestadt hat Isabel in den 18 Monaten nie bereut, auch wenn ihr der Alltag im Internat viel Fleiß und Disziplin abverlangt. Neben den Schulstunden, Hausaufgaben und der Vorbereitungszeit für Klausuren stehen für Isabel rund 16 Stunden Badminton pro Woche auf dem Stundenplan. Dazu kommen Krafteinheiten, Bundesligaspiele für den VfL 93 sowie nationale und internationale Wettkämpfe. Viel Zeit für andere Dinge bleibt nicht. Ihre Familie im heimischen Hersbruck bekommt sie nur selten zu Gesicht. „Wenn es sich ergibt, fahre ich an den Wochenenden oder in den Ferien mal nach Hause. Dies kommt aber leider nicht sehr oft vor.“ Einen Gedanken daran, den Leistungssport aufzugeben und Badminton nur noch als geliebtes Hobby zu betreiben, verschwendet die 19-Jährige aber nicht. „Klar gibt es Momente, in denen ichmich hinterfrage. Gerade in Phasen, in denen es vielleicht gerade nicht so richtig gut läuft. Die Momente, in denen Badminton ungeheuren Spaß macht, überwiegen aber ganz eindeutig.
 
Im Sommer ruft Mülheim
 
Aktuell stecken Inken und Isabel gerade mitten im Abiturstress. Wie es danach weitergehen soll, steht für Isabel bereits fest. Sie wechselt im Sommer an den Bundesstützpunkt des Deutschen Badminton Verbandes nach Mülheim und hofft auf einen Platz in der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Sie setzt alles auf die Karte Badminton. „Mein Traum ist es, einmal an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Ich nenne es Traum. Um es Ziel zu nennen, ist es noch zu weit weg.“ Einen Plan B hat sie aber auch schon in der Hinterhand. „Irgendwann möchte ich auch noch studieren, weiß aber noch nicht so genau was.“
Inkens Zukunft ist hingegen noch offen. Verschiedene Möglichkeiten sind denkbar. Mit zu hoch gesteckten sportlichen Erwartungen will sie sich vorerst aber so oder so nicht belasten. „Mein Ziel für dieses Jahr ist es, mich nicht wieder zu verletzten. Seit einem halben Jahr spiele ich mit richtig viel Spaß und ohne viel Druck. Das kann gerne noch eine Weile so bleiben.“ 

 

Martin Oetzmann

 

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