VIDEO – Ein besserer Trainer werden: Unterschied Üben lassen & Coachen

Oft werde ich von angehenden oder noch unerfahrenen Trainer nach Übungen oder Übungssammlungen gefragt – dabei ist es als Trainer keineswegs das Ziel sehr viele Übungen zu können – meine Gedanken dazu.

Als Trainer im Jugendbereich hat man neben den gesellschaftlichen Aufgaben letztendlich die Aufgabe den Kindern mit Spaß und Freunde bestimmte Dinge zu vermitteln – sei es taktisches Verständnis, einfache Lauf- und Schlagtechniken oder komplizierte Spielzüge. Erfolg als Trainer definiert sich aus diesem Verständnis heraus, ob dieser die Aufgabe umgesetzt hat, er also Wissen vermittelt hat und seine Schützlinge etwas gelernt haben. Schon aus dieser Betrachtung heraus, ist es eigentlich klar, welche Rollen eine Trainingsübung spielt – sie ist eine reines Hilfsmittel des Lehrens bzw. Lernens. Hier könnte dieser Artikel damit schon beendet sein – gerne möchte ich das ganze aber noch tiefer in den Trainingsprozess einordnen und an einem Bespiel verdeutlichen. 
 
Jeder Trainingsprozess setzt sich aus 5 Elementen zusammen. Am Anfang steht zunächst eine Momentaufnahme – dies kann das einfache Betrachten meiner Trainingsgruppe sein, was können meine Spieler eigentlich. Es können aber auch bestimmte Test, Screens oder Leistungskontrollübungen sein – whatever. Es geht um den Ist-Stand. Jetzt geht es darum, was sollen sie können – der Trainer muss Ziele festsetzen. Er muss also ein Bild haben, was die Kinder und Jugendlichen dazulernen sollen – was bringt sie auf ein besseres Level. Hilfreich dazu? Ein gutes Bild vom Badminton zu haben, Rahmenstrainingskonzeptionen, Altersklassenpläne, Grundideen davon, was braucht eigentlich ein Badmintonspieler so. Ist das Ziel definiert, plane ich das Training. An dieser Stelle kommt die Trainingsübung ins Spiel. Ich suche also nach Übungen, die den Spieler von A (Ist-Stand) nach B (Ziel oder Soll-Zustand) bringen. Oder besser: Ich kreiere Übungen und verändere mir bekannte Übungen so, dass ich meine, dass diese hilfreich sind, um das Ziel zu erreichen. Wenn das Trainings geplant ist, geht es darum, dass Training durchzuführen. Der letzte Schritt ist das Evaluieren des Trainings – und dies sollte ständig durchgeführt werden. Nicht nur nach einer Trainingsphase, um letztendlich den ganzen Prozess zu beurteilen (war er effektiv?), Anpassung zu treffen oder neue Ziele und Lerngegenstände festzulegen. Bereits während des Trainings passe ich die Übungen so an, dass sie effektiv ein Ziel verfolgen. Jedes Kind lernt anders – daher kann und muss nicht jede Übung zu jedem passen – aber als Trainer hat man die Aufgabe, es passend zu machen. Was nicht passt, wird passend gemacht. Ich habe noch kein Kind getroffen, dass etwas nicht lernen konnte. Es war vielleicht so, dass meine Übung nicht gepasst oder hilfreich war – aber dann galt es kreativ zu sein und herauszufinden, wie kann ich es besser lehren. Im Laufe der Zeit sammelt man so viele Erfahrungen (und Übungen), die man dann letztendlich einfach aus der „Schubelade“ ziehen kann. 
 
Als Beispiel möchte ich einmal das bekannte Video aufgreifen:
 
 
 
Es besteht aus zwei Übungen für den Griffwechsel und kurze Schlagbewegungen am Netz. Ziel: Griffwechsel & Kurze Schlagbewegung. Übung: Schneller Zuwurf 1:1 und Schneller Zuwurf 2:2 am Netz. Übungen durchführen zu lassen ist keine Kunst. Die Kunst ist es jetzt, diese Übungen so zu nutzen, dass das Ziel erreicht wird. Beispiel: Der Spieler hat Probleme mit dem Umgreifen. Dann nutze ich die schwere Übung 1:1 – verlangsame das Tempo aber so, dass er gerade den Griffwechsel schafft. Jetzt erhöhe ich das Tempo so, dass er es ab und zu nicht schafft, um Anpassungen zu erzwingen – zusätzlich motiviere ich ihn, damit er es schneller macht und lobe ihn, wenn er es schafft. Merke ich einen Fortschritt, ist ein kleines Zwischenziel erreicht. Oft einher geht, dass der Spieler etwas schummelt: Statt eines sauberen Schlages wird durchgeschlagen und nach dem Rückhand-Schlag direkt in die Vorhandposition gewechselt. Es ist also keine kurze Schlagbewegung mehr vorhanden. Wie erzwinge ich also diese kurze Bewegung? Richtig: ich werfe mehrere Bälle schnell hintereinander auf einen Punkt – dies ist nur mit kurze Schlagschleife möglich. Ich kann z.B. für einen Durchgang 15 Bälle nur Rückhand zuwerfen um dem Spieler dies zu verdeutlichen. Danach wechsle ich auf 2:2 um eine Kombination der beiden Methoden zu erhalten. Dies wäre ein Coachingprozess – ich habe ein Ziel definiert, suche Wege, erfolgreich dieses Ziel zu vermitteln. Coaching statt Üben. Üben wäre „Jeder macht 5x 12 Bälle 1:1 und 5x12 Bälle 2:2“. Klar – sicherlich kann man so starten, aber dann gilt es individuelle Anpassungen und Korrekturen zu finden und natürlich, bei Erfolgen zu loben. 
 
Meine Standardantwort auf die obige Frage der Trainer. Was sollen die denn genau lernen? Was können die? Was war die letzte Übung? Wie wandelt man die ab? Was kennst Du für Übungen, die man nutzen könnte? Wie muss man diese ggf. anpassen? 
 
Ich hoffe, mein Punkt ist herüber gekommen, 
 
viel Erfolg im Training, 
 
Diemo Ruhnow
 
Gefällt Dir dieser Artikel und möchtest Du immer über neue Artikel informiert werden? Dann melde Dich kostenlos für den Newsletter an! Klicke auf den folgenden Link zum Anmeldeformular oder melde schicke eine Mail an diemoruhnow@web.de.
 
 
 
 
 
 
Artikelaktionen
 

Leadbox Portlet

Ebook Badminton

Booking

solibad

Badminton Reisen