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Erfahrungsbericht Trainerausbildung in den USA - Athletes Performance Institute Tempe/ Arizona

Liebe Besucher und Besucherinnen,

ich möchte in diesem Artikel ein wenig über die Mentorship-Ausbildung erzählen, die ich zurzeit in Tempe/ AZ, sowie im Mai zusätzlich noch in Boston / MAS durchlaufe. Dies soll kein einfacher chronologischer Bericht sein, sondern ich möchte in diesem Artikel die Wichtigkeit einer soliden athletischen Ausbildung in der Spielsportart Badminton erneut betonen.
Kurz zum Mentorship-Programm und Athletes Performance (AP). AP ist eine Einrichtung in der professionelle Athleten auf ihre Saison vorbereitet werden bzw. in ihrer Saison betreut werden. Betreuung heißt Rundumbetreuung, was an erster Stelle bei AP steht. Hier arbeiten nicht nur Fitnessexperten, dass ganze Team besteht aus Experten für Ernährung, Ausdauertraining, Krafttraining, Physiotherapeuten, Forschung, selbst Fitnessgeräte oder Sportgetränke werden mit namhaften Herstellern wie Keiser oder Gatorade entwickelt. Rundumbetreuung für den Athleten heißt, dass er morgens zum Frühstück in das Trainingszentrum kommt, den ganzen Tag ein auf ihn individuell zugeschnittenes Programm aus Kraft- und Ausdauertraining, athletisches Techniktraining sowie der entsprechenden Regeneration durchläuft. Gründer des AP Institutes ist Mark Verstegen, dem einen oder anderen vielleicht von der Fußball-WM 2006 bekannt, Jürgen Klinsman war es, der von den amerikanischen Traningsspezialisten überzeugt war und das Team um Mark Verstegen für die deutschen Fußballer verpflichtete.
Das Mentorship-Programm setzt sich aus 3 Phasen zusammen und ist speziell für Trainer gedacht, die bereits in der Praxis arbeiten und die Methode von AP kennen lernen möchten bzw. sich auf dem Gebiet des athletischen oder funktionellen Trainings verbessern wollen. So habe ich in den ersten zwei Wochen, die dritte steht im Mai noch aus, verschiedene Nationen und Trainer kennengelernt: von privaten Trainern, die Spitzenathleten individuell betreuen, über Trainer, die ihr eigene Einrichtung besitzen und dort Premier League Clubs oder High-School-Athleten betreuen, bis hin zu Athletikspezialisten, wie zum Beispiel dem Athletiktrainer der taiwanesischen Tennisnationalmannschaft (auf dem Foto: Diemo & Kenny (Fitnesstrainer Tennis Taiwan, Inhaber "The Vigor").
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Zurück zur athletischen Entwicklung: die Entwicklung von speziellen Trainern, die in der USA meiner Meinung nach am meisten fortgeschritten ist, hält nur auch in Deutschland mehr und mehr Einzug. Der OSP Hamburg/ SH verpflichtete bereits vor 3 Jahren mit Hauke Meyer-Koop einen Trainer für die Athletik der Hamburger Kaderathleten, dieses Jahr dann noch einen Trainer speziell für den Athletikbereich der verletzen Athleten hinzu. Auch der HBV bedient sich mehrere Wochen im Jahr eines Leichtathletiktrainers, um seine Athleten in den Bereichen Sprung und Lauf zu verbessern. Eine Entwicklung, die nicht zuletzt durch den Fußball spätestens ab dem Sommer 2008 flächendeckend und sportartübergreifend enorm voranschreiten wird. Da ist es dann kaum verwunderlich, wenn man plötzlich bei AP neben Klinsmann und dem restlichen neuen Bayern-Trainerteam zu Mittag ist.
Ist das nötig? Ein Spezialist für das Allgemeine? Ja! Erschreckend fand ich den Tenor in einem Leichtathletik-Workshop letztes Wochenende in Kienbaum. Selbst dort war man der Meinung, dass die Grundlagen in der Breite mittlerweile nicht mehr genügend ausgebildet werden. Zu früh werden Spezialisten herangezüchtet, zu früh stoßen diese dann an Grenzen, auf Leistungsplateaus. Dies aus der Leichtathletik, wo es doch „nur“ um Springen, Laufen und Werfen geht. Es bestätigt erst Recht meinen Eindruck den ich bisher aus verschiedenen Spielsportarten gewinnen konnte - eine Entwicklung, die sich dank PCs & Internet sowie diversen Spielekonsolen sicherlich nicht verbessert wird.
Sicherlich ist Badminton eine hoch kompensatorische Sportart – Schwächen in einem Bereich kann man durch Stärken in anderen Bereich sehr gut kompensieren. Die eine Frage ist nur, bis zu welchem Niveau. Gerade im Spitzenbereich aber kommt es nur noch auf wenige Prozent an, da ist es dann doch entscheidend, wer einen Tick schneller am Ball, diesen höher im Sprung erreicht und härter schlagen kann. Der wichtigste Punkt ist allerdings das Vermeiden von Verletzungen – bei AP Career Sustainability genannt. Ich möchte den jungen Sportler so ausbilden, dass er möglichst bis zum Ende seiner Sportlaufbahn oder gar seines Lebens von Verletzungen wie Bandscheibenvorfällen, Schulterverletzungen oder Knieproblemen verschont bleibt.
Ein Beispiel: Die gute alte Kniebeuge. Wird von Haus aus kein richtiges Landen und Abspringen beherrscht, mit geradem Rücken, Hüfte nach hinten, Landung mit Dorsalflexion (angezogenen Fußspitzen) und Armeinsatz, kann ich das durch Kniebeuge und verschiedene Folgeübungen erlernen. U13 Badminton Lehrgang in Hamburg, 20 Kinder als Neueinsteiger bzw. Anfänger, 15 davon können nicht richtig beidbeinig landen. Das ist die Realität. Zunächst nicht so schlimm, die Ergebnisse verbessern sich schnell wenn man daran arbeitet. Realität beim Badminton ist nicht ein Sprung, Realität sind hunderte von Sprüngen in einer Trainingswoche, wenn nicht sogar während eines Tages. Wenn ich dort mit X-Beinen, geradem Rücken oder hängenden Füßen und ohne Körperspannung lande, sind (Langzeit)-Schäden vorprogrammiert.
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Ein Grundproblem, dass gerade in den Sportspielen das Spiel an sich sehr im Vordergrund steht, gerade auch oft für die werdenden Trainer. Natürlich müssen dort die Hausaufgaben erledigt werden, aber ebenso darf der Fokus einer soliden athletischen Entwicklung im Lauf- oder gerade im Sprungbereich und vor allem im Kraftbereich nicht fehlen. Carrer Sustainability, schließlich möchte ich auch in 5 Jahren noch, dass mein Sportler erfolgreich spielen kann ohne von Problemen geplagt zu sein. Was bringt mir ein Hamburger Meister, oder vielleicht ein Norddeutscher- o. Deutscher Meister, wenn er zwei Jahre später auf Grund von Verletzungen oder Problemen mir und vor allen Dingen der Sportart Badminton der Rücken zukehrt.
Die Frage, die oft in Trainerausbildungen oder in Gesprächen dazu kommt, wie schaffe ich es dann mit meinen oft nur 90 min, die verschiedenen Ausbildungsinhalte unter einen Hut zu bekommen. Ich werde versuchen in einer der kommenden Ausgaben dazu noch eine kurze Strategie in Form eines Programmes vorzustellen, ein bisschen Vorarbeit ist ja schon geleistet. Die Ausgaben März und April beschäftigten sich mit einem funktionellen Aufwärmprogramm.
Jetzt habe ich als Mathe- und Trainerstudent mit begrenzten Schreib- und vor allem „Kurzhalte“-Strategien schon wieder die 1000 Wörter Grenze geknackt, und kam nicht wirklich zu dem eigentlichen Thema. Bei Interesse bietet sich vielleicht ein zweiter Teil an. Ich hoffe, ihr bekommt von den Bildern ein paar Eindrücke vom Mentorship-Programm bei AP.

Diemo Ruhnow

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