Zur Situation an der Basis: Eine Befragung der Vereine und SpielerInnen im deutschen Badmintonsport von Daniel Hoffmann

Im Rahmen der Kampagne zur „Zukunftssicherung des deutschen Badmintonsports“, die die Badmintonvereine und –verbände in Deutschland dafür sensibilisieren möchte, welche Dienstleitungen seitens der Badminton-Landesverbände (BLV) und des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV) zukünftig angeboten werden sollten und wie diese realisiert werden können, entstand Anfang 2015 die Idee zu einem gemeinsamen Projekt zwischen dem Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS Köln) und dem DBV. Mit Hilfe von zwei Online-Fragebögen sollten Daten, Meinungen und die Kenntnis bzw. Inanspruchnahme von Dienstleistungen an der Basis (Vereine und SpielerInnen) beleuchtet werden, um zukünftiges Vorgehen und Strategien begründet zu entwickeln.

Methodik
 
Untersuchungsgang:
 
Die Projektidee entstand Anfang 2015, im April und Mai kam es zu inhaltlichen Absprachen und Themenfestsetzungen für die beiden Fragebögen. Im Rahmen zweier Abschlussarbeiten wurden diese im Zeitraum von Juni bis Juli mit Hilfe der Software „Evasys“ durch zwei Studierende digitalisiert und verfeinert. Anfang August erfolgte ein erster Testlauf mit einer kleinen Zahl an Vereinen und SpielerInnen, um den Fragebogen hinsichtlich Verständlichkeit sowie technischer Funktionalität zu überprüfen.
 
Die offizielle Befragung fand im Zeitraum vom 23.09.2015-11.11.2015 statt. Seitens der DSHS Köln wurde je eine Mail mit entsprechendem Link zur Vereinsbefragung und zur SpielerInnenbefragung an den DBV versandt, welche dieser mit Bitte um Weiterleitung an alle Vereine an die Landesverbände weiterleitete. Zusätzlich wurden entsprechende Infos auf der Homepage des DBV und den Websites einiger Landesverbände veröffentlicht. Nach den ersten Befragungswochen wurde zusätzlich ein Reminder auf demselben Wege versandt.
 
 
Fragebogen:
 
Der Onlinefragebogen bestand aus fünf Teilbereichen mit Single- und Multiple- Choice sowie offenen Fragen. In den ersten Bereichen wurden allgemeine Angaben zu Verein/Abteilung und deren Angeboten sowie der Beitragssituation abgefragt. Anschließend Kenntnis, Inanspruchnahme und Bereitschaft zur finanziellen Beteiligung an bestehenden und geplanten Dienstleistungen seitens des DBV und der Landesverbände. Zum Abschluss hatten die TeilnehmerInnen die Möglichkeit ihre Wünsche, Kritik und Anregungen kundzutun. Die Bearbeitungszeit des Fragebogens belief sich auf 15-20 Minuten.
 
Stichprobe:
 
Insgesamt nahmen 264 Vereine und 1.293 SpielerInnen teil (Durchschnittsalter: 36 Jahre mit durchschnittlich 16 Jahren Vereinszugehörigkeit; darunter 35 passive Mitglieder). Damit beteiligten sich, laut Statistik des DBV von 2015, etwa 10% der Vereine (264 von 2.577 Vereinen) und 0,66% der SpielerInnen (1.293 von 194.597 SpielerInnen) an der Befragung.
 
Ergebnisse:
 
Angebote des Vereins/Abteilung
 
Die 264 Vereine meldeten ein breites Angebot Ihrerseits im Badmintonbereich zurück, dargestellt in Abbildung 3. Auch ein Angebot über den Trainingsbetrieb hinaus zeigte sich bei fast allen Vereinen; so gaben vier von fünf Vereinen (83%) an, Vereinsfeiern zu organisieren, mehr als die Hälfte (58%) richten Turniere aus, 46% bieten Ausflüge ohne Badmintonbezug an und 39% der Vereine Turnierbesuche (German Open, Bundesligaspiele u.ä.).
 
 
Die maximal mögliche Trainingszeit für einen Erwachsenen beträgt durchschnittlich 5:44 h/Woche, für ein Kind/ einen Jugendlichen durchschnittlich 4:10 h/Woche. Bei 57% der Vereine wird das Training im Erwachsenenbereich von qualifizierten Trainern (mindestens C-Lizenz) angeleitet. Im Nachwuchsbereich sind es 66%. Knapp die Hälfte der Vereine (48%) ist aktuell auf der Suche nach weiteren qualifizierten TrainerInnen.
 
Beitragssituation der Vereine bzw. Abteilungen
 
Nach Angaben der teilnehmenden Vereine beträgt der durchschnittliche Monatsbeitrag für Erwachsene 19,15€ und für Jugendliche/Kinder 12,62€. In diesen Monatsbeiträgen sind bei 41% der Vereine die Trainingsbälle komplett und bei 32% teilweise enthalten. Wettkampfbälle sind sogar in 71% der Vereine komplett und in weiteren 15% teilweise enthalten. Bei der Hälfte der Vereine (53%) inkludiert der Monatsbeitrag zudem das Startgeld für Turniere, bei weiteren 22% zumindest teilweise.
 
53% der Vereine bewerten das Preis-/Leistungsverhältnis von Angebot und Beitrag als eher günstig, 11% als zu günstig. 56% halten eine Beitragserhöhung um 10% in den nächsten zwei Jahren für realisierbar. Setzt man die ermittelten Monatsbeiträge in Bezug zur maximal möglichen Trainingszeit pro Person (orientiert an 46 Trainingswochen im Jahr), so zahlt man für eine Stunde Badminton als Erwachsener durchschnittlich 0,87 Euro und als Minderjähriger 0,79 Euro.
 
Angaben zu Dienst- und Serviceleistungen der Badminton-Landesverbände (BLV) und des DBV
 
Elf Dienstleistungen seitens des DBV und der BLVs wurden hinsichtlich ihrer Bedeutung und Kenntnis für die Vereine abgefragt. Die Vereine schreiben vor allen den Websites ihrer Landesverbände eine hohe Bedeutung zu (80%), auch der Online Ergebnisdienst www.turnier.de ist für 70% der Vereine sehr wichtig. Über die Hälfte der Vereine (52%) sieht in neuen Formen des Spielbetriebes eine hohe Relevanz . Die Bewertung der SpielerInnen zu den genannten Angeboten ist vergleichbar .
 
Das BAX-Wertungssystem (24%) und das Schulsportprogramm „Shuttle Time“ (27%) sind hingegen einem Viertel der Vereine unbekannt. Kenntnis über angebotene Dienstleistungen bei SpielerInnen geringer als bei Vereinen Seitens der SpielerInnen zeigte sich eine noch höhere Unkenntnis über diese beiden Angebote. Das Schulsportprogram „Shuttle Time“ ist über einem Drittel (37%) unbekannt, ebenso wie das BAX-Wertungssystem mit 31%. Rund ein Viertel (28%) der SpielerInnen kennt die Aktionen und Projekte im Breitensport nicht, unabhängig von der eigenen leistungssportlichen oder hobbysportlichen Ausrichtung. Abbildung 4 gibt eine detaillierte Gesamtübersicht über die abgefragten Dienstleistungen.
 
Angaben über in Planung befindlichen Dienst- und Serviceleistungen der Badminton- Landesverbände und des DBV
 
 
Zwölf geplante Neuerungen bzw. Ergänzungen wurden auf ihre potentielle Bedeutung für Vereine und SpielerInnen abgefragt. Über zwei Drittel der befragten Vereine (70%) halten eine Optimierung der Trainerausbildung für sehr wichtig. Einer Erhöhung der Präsenz von Badminton im (Internet-) TV (66%) und der Schaffung eines Wissensportal (65%) schreiben etwas weniger als zwei Drittel der Vereine eine hohe Bedeutung zu. Knapp über die Hälfte der Vereine hält zudem eine Erhöhung der Freundschaftsspiele (52%) und eine professionellere Vermarktung der Sportart (52%) für sehr wichtig. Seitens der SpielerInnen zeigt sich bei vielen Dienstleistungen ein vergleichbares Bild. Als „sehr wichtig“ werden eingestuft: Wissensportal 62%; Optimierung Trainerausbildung 72%; Freundschaftsspiele 54%. Den Punkten Trainerbörse (56%), professionelle Vermarktung (60%) und ein Lehrangebot für SpielerInnen (53%) kommt aus SpielerInnen-Sicht eine noch höhere Bedeutung (Angabe „sehr wichtig“) als aus Vereinssicht zu. Den größten Handlungsbedarf sehen nahezu drei von vier SpielerInnen in einer höheren (Internet-) TV Präsenz. Der abgefragte Punkt „Merchandise“ wird von beiden Parteien (Vereine 64% und Spieler 55%) überwiegend als wenig wichtig angesehen. Knapp ein Viertel der SpielerInnen (24%) gaben an, kein Interesse daran zu haben. Auch der Aufbau anderer Spielstrukturen ist aus Vereins- (67%) und Spielersicht (61%) weniger wichtig.
 
Diskussion
 
Die deutschen Badmintonvereine bieten Ihren Mitgliedern ein großes Spektrum an Trainingsangeboten bei monatlichen Beiträgen von durchschnittlich knapp 20 Euro für Erwachsene und etwas über 12 Euro für Kinder und Jugendliche. Bei drei von vier Vereinen werden Trainingsbälle und Bälle für Meisterschaftsspiele weitestgehend kostenfrei gestellt. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Monatsbeiträge und Trainingszeiten (ca. 5h für Erwachsene und 4h für Kinder) ergibt sich ein Betrag von 0,87 Euro für Erwachsene und 0,79 Euro für Kinder & Jugend pro Trainingsstunde bei einer/einem qualifizierten TrainerIn in über der Hälfte der Vereine. Es erscheint kritisch, dass mit einem so geringen Betrag die Kosten auf Vereinsseite gedeckt werden können bzw. die ÜbungsleiterInnen und TrainerInnen eine angemessene Vergütung erhalten können. Führt man sich diesen Betrag vor Augen, fällt die Einschätzung von der Hälfte der Vereine, dass das Preis-Leistungsverhältnis „eher günstig“ sei noch relativ gemäßigt aus. Gerade vor dem diskutierten Aspekt der zukünftigen Optimierung der TrainerInnenausbildung scheint ein Umdenken in der finanziellen Wertschätzung für die Trainingsdienstleistungen unausweichlich.
 
Bedenkt man also die Einnahmesituation an der Basis, sprich in den Vereinen, so werden auch die geringen finanziellen Möglichkeiten seitens des Spitzenverbandes deutlich. Ohne ein Umdenken bezüglich der Wertigkeit der Sportart bleibt die oft geforderte Professionalisierung der Sportart in Deutschland eine große Herausforderung.
 
 
Für den DBV wurde durch die Rückmeldungen seitens Vereinen und Spielern in Punkto TrainerInnenausbildung ein deutlicher Handlungsbedarf offen gelegt. Auch der Wunsch nach einer Ausweitung der Präsenz im (Internet-) TV kam klar heraus. Hier wurden die umfangreichen, kostenfreien Livestreams (auf sportdeutschland.tv) im Rahmen der Yonex German Open sicherlich positiv aufgenommen. Eine Kooperation zwischen der Badminton World Federation und dem Sportsender Eurosport ermöglicht es, internationale Turniere über den Eurosportplayer (kostenpflichtig) in den nächsten zwei Jahren zu verfolgen (BWF 2016). Auf nationaler Ebene besteht aktuell noch Handlungsbedarf. Professionalisierung bei 87 Cent pro Trainingsstunde möglich?
 
Geplante Erweiterungen hinsichtlich Merchandise und neuer Spielstrukturen seitens des DBV können nach dem Meinungsbild der Befragten in naher Zukunft erstmal zurückgestellt werden. An der Information und dem Bekanntheitsgrad angebotener Dienstleistungen, wie Shuttle Time, Breitensportaktionen und BAX-Wertungssystem sollte gearbeitet werden, damit diese auch wahrgenommen und von der Basis in Anspruch genommen werden können. Bei der Interpretation der Daten sollte die ungleiche Verteilung auf die Landesverbände beachtet werden; die Landesverbände aus Bayern und NRW machen hierbei einen Großteil der Stichprobe aus. Baden- Württemberg zählt mit nur zwei Vereinsbeteiligungen sicherlich zu den unterrepräsentierten Landesverbänden. Während die Vereinsbefragung mit circa 10% (264 von 2577 Gesamtvereinen) eine ordentliche Stichprobengröße aufzeigt, spiegelt die Teilnahme unter den SpielerInnen nur ein kleines Meinungsbild wieder mit unter 1%. Die Befragung und die daraus gewonnenen Erkenntnisse waren und sind ein wertvoller und wichtiger Schritt für die begründete Entscheidung zu zukünftigen Maßnahmen, um den deutschen Badmintonsport voranzubringen.
 
Die Sportart Badminton in Deutschland positiv weiterzuentwickeln, sollte auf der Agenda des DBV ganz oben stehen. Dies ist aber nur möglich, wenn auch die Basis (Vereine und SpielerInnen) anfängt umzudenken und der Professionalisierungsprozess von beiden Seiten vorangetrieben wird.
 
Literatur:
 
(1) Badminton World Federation (2016). Top BWF Events on Eurosport Digital Platform. Zugriff am 20.03.2016 unter: http://bwfbadminton.com/2016/03/03/top-bwf-events-on-eurosport- digital-platform/.
 
(2) Deutscher Badminton Verband (2016). Statistiken DBV. Zugriff am 20. März 2016 unter www.badminton.de.
 
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