WISSEN - Gedanken zur Taktik im gemischten Doppel - Teil 4

Während es in Teil 1 & 2 um Grundlagen im Stellungsspiel und in Teil 3 um ein paar Mythen zum Thema Mixed ging, beschäftigt sich der vierte Teil der Mixed-Reihe mit der Frage, was eine gute Mixeddame können sollte.

Bereits im ersten Teil haben wir festgestellt, dass die günstige Position im Angriff, Dame vorne und Herr hinten zwar oft die bessere Position ist, aber „günstig“ nicht gleich „immer“ stattfinden kann. Dennoch möchte ich zuerst mit den Eigenschaften beginnen, die als Vorderfeldspielerin gefordert sind.
 
Am wichtigsten ist es, den Angriff aufrecht zu erhalten, also im Netzbereich und Übergang fallende Bälle unter die Netzkante zu spielen. Zweie Priorität wäre dann, mögliche Chancen in diesem Bereich auch in direkte Punkte ummünzen zu können. Wichtige Themen sind daher Sprünge zum Netz und ein gutes Deckungsverhalten. Letzteres bedeutet, dass die Dame aktiv einen bestimmten Bereich deckt und auch durch gewisse Aktionen (Distanz zum Netz, Präsenz) für Höhe sorgt, d.h. das sie sich nicht klein macht, sondern das das gegnerische Mixed höher spielen muss, um über die Dame zu spielen und somit der Herr im Hinterfeld mehr Zeit hat – sofern das gewollt ist (was meist sinnvoll ist).
 
Aber wie in den Angriff gelangen. Hier sind drei Phasen möglichst gut zu lösen. Zunächst Aufschlag und Annahme. Die Dame sollte über einen guten Aufschlag verfügen, auch wenn der gegnerische Herr drohend zur Annahme gegenüber steht – hier ist also auch Selbstvertrauen in den eigenen Aufschlag gefragt. Dann natürliche eine gute Annahme – es müssen keine direkten Punkte erzielt werden, aber eine fallende Annahme wäre schon von Vorteil. Der Klassiker wäre eine Annahme auf den Mixedpunkt, also den Kompetenzbereich des gegnerischen Herren und der Dame. Nicht zu vergessen wäre eine gute Annahme für den Swip-Aufschlag – oft wird der Gegner ja versuchen, ein Loch aufzureißen und die Dame nach hinten zu bringen – mit dem Swip-Aufschlag geht dies sehr einfach. Dabei muss man nicht unbedingt nach unten spielen können, ein Clear über die gegnerische Dame kann ebenfalls effizient sein. Man sollte sich aber mit dem Thema Swip-Annahme beschäftigen.
 
Der zweite Bereich wäre „Übergang“ – also keine Paarung in Angriff oder Abwehr. Hier reicht es fallende Bälle zu spielen – möglich clever platziert, dass es einfach ist, Netz durch die Dame und Hinterfeld durch den Herren abzudecken. Dies können harte Drive sein, müssen es aber nicht. Intelligent platzierte weiche Bälle tun es oft auch.
 
Der dritte Bereich wäre die Abwehr. Da man mit gegnerischen Herrensmash umgehen muss, muss eine Dame über eine gute Abwehr verfügen. Auch dabei geht es in erster Linie nicht, alle möglichen Varianten spielen zu können, sondern um 1-2 sichere Lösungen, um wieder in den Angriff zu gelangen. Dies kann so etwas wie eine gute hohe Crossabwehr sein, um die Seite zu wechseln (und den nächsten Smash auf den Partner zu ziehen), kann aber auch eine einfache Lösung, wie ein longline oder cross-Block sein. Wichtig ebenfalls – Vertrauen in die eigene Abwehr. Kein Vertrauen in die eigene Abwehr führt zu schlechteren Lösungen und oft dazu, dass die Damen sich zu weit ins eigene Feld stellen, was es nicht gerade einfacher macht, eine gute Abwehr zu spielen – man hat zwar mehr Zeit, der Gegner aber eben auch und wird es einfacher haben, wieder oberhalb der Netzkante an den Ball zu gelangen.
 
Nicht zuletzt hatten wir in Teil 3 festgehalten, dass im modernen Mixed auch die Dame viele Hinterfeldsituationen hat – hier gilt es, dass die Dame den Lauf ins Hinterfeld und die Nachbereitung in Richtung Netz beherrscht – und natürlich auch entsprechende Lösungen im Hinterfeld parat hat (z.B. Cross Smash, Yong Bo Drop, ...).
 
Eine weitere Aufgabe, die auch die Dame übernehmen kann, wäre der Bereich Führung. Dies kann auf der Persönlichkeitsebene sein – z.B. sagte die dänische Finalisten der German Open 2013, dass sie ihren Partner in kritischen Situationen oft beruhigt oder auf der taktischen Ebene, durch Ansagen oder aber durch ein gutes frühzeitiges Positionieren auf dem Feld das Spiel dadurch lenken.
 
Alles in allem – viele Arbeitsgebiete für die Dame im Mixed, die im Training thematisiert und bearbeitet werden sollten.
 
Viel Spaß beim Trainieren,
 
Diemo Ruhnow
 
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