WISSEN Laufrhythmus im Badminton – wie funktioniert das eigentlich? Teil 4

Teil 4 liefert nun ein Übungsreihe zum Training der Laufarbeit im Badminton.

Für Teil 1, Teil 2 und Teil 3 klicken Sie auf den jeweiligen Link

In den drei vorhergehenden Teilen der Serie zum Laufrhythmus (vgl. Badminton Sport 12/2012, 1-2/2013, 3/2013) haben wir festgehalten, welche Elemente einen guten Laufrhythmus ausmachen, was für einen guten explosiven Start wichtig ist, welche verschiedene Wege es gibt, diesen durchzuführen und haben eine Idee aufgenommen, wie Laufrhythmus geschult werden kann und unter anderem dazu eine gedankliche Reise ins ferne China gemacht.

Im vierten Teil der Serie soll das Ganze mit zwei weiteren Aspekten zum besseren Verständnis sowie einer Übungsreihung komplettiert und abgeschlossen werden.
 
Aspekt Nr.1 findet sich in der folgenden Übung, die Holger Hasse bei einer Fortbildung vorstellte. Der Trainer macht einige Wurfbewegungen mit dem Ball in Richtung Netz, ohne jedoch den Ball zu werfen (siehe Foto 1/2) – irgendwann wirft er ihn aber kurz hinter das Netz. Der Spieler hat die Aufgabe, sich erst dann zu rühren (Foto 4) und explosiv zum Ball zu starten (Foto 5/6), wenn er wirklich hinter das Netz fliegt. Wirft der Trainer nicht, d.h. täuscht er also nur mit einer Bewegung des Armes (siehe Foto 1/2) an, dann soll er entspannt stehen und nicht etwa in irgendeiner Art reagieren. In Korea wird diese Übung in der Grundausbildung der Spieler dazu verwendet, dass diese lernen nicht zu früh falsch zu reagieren, sondern erst im richtigen Moment in die richtige Spielfeldecke zu starten. Vorher soll der Spieler entspannt warten und keine unnötige Energie und Kraft verschwenden. Also im Zweifelsfall lieber etwas später reagieren, als ständig zu früh.
 
Korea-Übung:
 
 

Aspekt Nr.2 den ich noch einmal betonen möchte, ist das Trainieren von „Footwork“-Übungen (IDEEN gesucht -> Footwork-DVD). Den meisten Trainern (und Spielern) werden diese Übungen, in denen es um schnelle Fuß- und Beinbewegungen geht, ein Begriff sein. Welchen direkten Nutzen haben diese Übungen aber für unsere Laufarbeit? Wenn man die Situation nun doch falsch gelesen hat, d.h. die Füße falsch ausgerichtet hat oder einfach bereits zu früh in die falsche Diagonale reagiert hat, dann sind kleine, sogenannte Korrekturschritte nötig. Genau diese Schritte, oft ein Versetzen der Füße und/oder eine Drehung der ganzen Fuß-Hüft-Schulter-Achse, werden in unterschiedlicher Art, Weise und Kombination in verschiedenen Footwork-Übungen koordinativ geübt. Hier ist es wichtig, dass der Spieler zum einen eine Vielzahl von koordinativen Footworkübungen (z.B. Überkreuzen, Laufen vor/zurück auf der Stelle) im Training übt, damit ein gewisses koordinatives Grundpotential zur Verfügung steht, aber auch spezifische Übungen für bestimmte Spielsituationen (z.B. rechter Fuß vorne, dann schnelle Drehung um den Körperschwerpunkt) in das Training integriert. Korrekturschritte kommen im Spiel oft vor – schließlich ist es zwar das Ziel, einen guten Laufrhythmus auszubilden, aber ein mögliches Ziel des Gegners kann sein, genau dagegen anzuarbeiten.
 
Beispiel Footwork:
 
 

Beherzigt man diese beiden zusätzlichen Aspekte und orientiert sich an den Ideen, die bisher Bestandteil dieser Reihe waren, könnte man das Training des Laufrhythmus grundlegend so aufbauen:

Übungspool 1: Koordinative Übungen wie verschiedene Footworkübungen (siehe Videos), Sprintübungen und koordinative Rhythmusübungen (siehe Videos), welche die koordinativen Grundlagen für Richtungswechsel, den explosiven Abdruck und den rhythmischen Wechsel von langsamen und schnellen Bewegungen einüben.

Übungspool 2: Vorübungen zum Start wie das Starten von der Bank (siehe BS 1-2/2013), Starten aus Footwork, Korea-Übung (alle siehe Videos)

Übungspool 3: Polizistenspiel mit Rhythmus (siehe Teil 3), Ballmaschinen mit Focus Rhythmus, Übungen mit Schlagreihenfolge und Focus Rhythmus

Übungspool 4: Übungen mit fliegendem Ball und Einschränkungen aber hoher Anforderung an das Lesen (hier: Erkennen der Schlaglösung) und Lösen (hier: Anpassung der Laufgeschwindigkeit und Ausrichten der Füße) wie z.B. Defensiv Midcourt mit Laufrhythmus (siehe Videos), Hinterfeld gegen Vorderfeld, Hinterfeld gegen ganzes Feld, Halbfeldeinzel mit Drop und Clear mit Focus rhythmisches Bewegen.
 
Übungspool 5: Offene Übungen mit fliegendem Ball wie Einzel ☺, Hinterfeld gegen ganzes Feld inklusive Smash, „Zwei-Gegen-Eins“-Übungen auf dem ganzen Feld.

Dabei ist die Reihenfolge von Übungspool 1 zu Übungspool 5 nur als Vorschlag – relativ einfach „vom Einfachen zum Komplexen“ aufgebaut - zu verstehen und keinesfalls als vollständig anzusehen. Wichtig für den Trainer ist es, die verschiedenen Elemente des Laufrhythmus zu verstehen, herauszufinden, auf welchem Stand die eigenen Spieler stehen und woran es gegebenenfalls mangelt und die entsprechenden Ableitungen zu treffen. Dabei gilt es, das komplexe Bild – insbesondere die Anforderung an das Lesen und Lösen – nicht zu verlieren und daher möglichst komplex zu arbeiten. Einzelne Übungen, die nur Teile des Laufrhythmus trainieren, haben durchaus ihre Berechtigung, dürfen aber nicht zum Selbstzweck dienen.

Unter http://www.dr-badminton-training.de/badmintonsport sind ein paar Beispielvideos zusammengefasst, welche die Ideen verdeutlichen sollen. Ansonsten hoffe ich, dass Ihnen die Artikel zum Laufrhythmus gefallen haben und wünsche viel Erfolg bei der Arbeit.
 
Die Texte wurden jeweils zuerst in der Badminton Sport vom Verlag Meyer & Meyer vom Autor Diemo Ruhnow veröffentlicht.
 

Diemo Ruhnow 

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