VIDEO Badminton Rückhand - Mentales Techniktraining Rückhand

Eine effiziente Rückhand erfordert eine gute Technik gleichbedeutend mit einer sauberen Abfolge der einzelnen Schlagelemente - wichtig im (Um)-Lernprozess, mental mitarbeiten!

Wer kennt das nicht? Das leidige Problem Rückhand? Man kann zwar eine Rückhand spielen, oft aber ohne Kontrolle, zu verkrampft oder verreißt das ganze und ist ganz und gar nicht mit ihr zufrieden. Oder als Trainer? Man möchte mit seinen Kids das Thema „Rückhand über Kopf“ angehen, der eine trifft die Bälle schon ganz gut, während andere noch etwas unkoordiniert in der Luft herumstochern.
 
Thema des Artikels soll Mentales Techniktraining sein. Ich möchte hier gar nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Hier soll also keine komplette Visualisierung vorgestellt werden, weder möchte ich  eine wissenschaftliche Erklärung geben. Lediglich möchte ich darstellen, wie es mir oft gelingt, erhebliche Verbesserungen der Rückhandtechnik zu erreichen.

Zunächst einmal ein Video einer richtigen Technik:

 

Was ich nun oft mit Athleten tue, ganz gleich, ob es sich um Neu- oder Umlernen handelt, ist, dass erst einmal ohne Ball losgelegt wird. Sicherlich nicht überraschend, aber wird oft vergessen. Die Bewegung ohne Ball hat den Vorteil, dass ich mich nicht auf ein externes Objekt anpassen und konzentrieren muss, sondern ohne Zeit- oder räumlichen Druck die Bewegung durchführen kann. Klappt die Bewegung im Trockenen schon ganz gut und sieht sie für den Trainer flüssig aus, gibt man dem Athleten die Aufgabe, sich vorzustellen, dass er jetzt einen realen Ball kommen sieht und diesen schlägt sowie dieser z.B. beim Clear ins Hinterfeld fliegt. Wichtig dabei ist auch die Vorstellung, das Ganze ohne Kraft auszuführen - die Schlaghärte bzw. die weite Flugbahn des Balles wird durch die richtige Technik erreicht:

 

Das wichtigste Ziel beim Techniktraining ist, dass der Athlet die Bewegung erfühlen kann und nach dem Schlag weiß, warum der Ball jetzt so oder so geflogen ist. Dabei geht es nicht darum, zu sehen, ob der Ball am gewünschten Ort gelandet ist („knowledge of result“), sondern darum zu wissen, was der eigene Körper gemacht hat, wie die gesamte Bewegungsfolge (Stichpunkt kinetische Kette) abgelaufen ist bzw. was optimiert werden muss. Man spricht von „knowledge of performance“. Als Hilfe dazu lass ich den Athleten die Augen schließen und dann 8-12 Bewegungen des z.B. Rückhandclears durchführen. Als weitere Aufgabe gebe ich mit: „Spüre die Bewegung“, „Spüre, was dein Ellbogen macht“ oder „Spüre, ob und wie flüssig sich die Bewegung anfühlt“. Dieses Konzentrieren auf seine eigene Bewegung bei Ausschaltung des optischen Sinnes hilft oft schon, dass Übungen mit dem Ball besser durchgeführt werden können und eigene fehlerhafte Bewegungen besser erkannt werden. Diese „Geschlossene-Augen-Variante“ wechsel ich dann oft ab mit den Aufgaben, dass ganze mit offenen Augen durchzuführen, vor dem Spiegel durchzuführen oder sich das ganze nur vor dem inneren Auge ganz ohne Bewegung abspielen zu lassen.
 
Letzteres ist besonderes hilfreich bei schon automatisierten ineffizienten Bewegungen, kommt einer kompletten Visualisierung schon etwas näher. Hier ist es jetzt von Nöten, dass dem Athleten gewisse Knotenpunkte, an denen es vielleicht hapert, mit in die Vorstellung gegeben werden. Diese können zum Beispiel sein „Ellbogen Richtung linke Brust“, „Ellbogen heraus beschleunigen“ und „Power durch Rotation“. Gerade die Rotation in der letzten Bewegungsphase, wo sich der Oberarmroation (Außenrotation in der Schulter) die Unterarmrotation anschließt ist extrem wichtig - dies kann man auch isoliert üben:

 

Die Verschaltung der verschiedenen Knotenpunkt kann dann zu erst auch in langsamer Geschwindigkeit ablaufen (Vorstellung einer Zeitlupe), in schnellere Geschwindigkeit können die Knotenpunkte durch einfache Schlüsselwörter wie „rein“, „los“ oder „rotieren“ abgekürzt werden und später ganz weggelassen werden.
 
Diese 2-3 verschiedenen Maßnahmen lasse ich dann in dieser Reihenfolge, manchmal auch individuell durchführen und nicht selten sind meine Athleten davon überrascht, mal plötzlich im Training den Ball und Schläger fallen lassen zu müssen und mental ein Schlag zu optimieren. 

Mentaler Tipp für das Heimtraining: Schaut Euch das Video mit Rückhand ein paar Mal an, versucht die Bewegung nachzuvollziehen ("aktives Schauen"), auch dann trainiert Ihr schon für Euch. Dann nehmt ein Schläger dazu und wechselt hier zwischen Schattenschlägen, langsamen Schattenschlägen und Varianten mit geschlossenen Augen sowie der reinen mentalen Durchführung. Zusammen mit den Knotenpunkten mit Euren Worten kann man auch ohne Ball und Halle die eigene Rückhand optimieren.

Ich hoffe, der Leser hat einen kleinen Einblick in einen möglichen Optimierungsweg der Rückhand bekommen, ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren - mehr Insights in Rückhand-Clear-Training findet Ihr in meinem Rückhand-Clear-Workshop

Diemo Ruhnow


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