WISSEN - Never Change a Winning Tactic & Trend

Das tägliche Tipp Nr.32 auf der Diemo Ruhnow’s Badminton Training Facebook-Seite hat bisher die meisten „Likes“ eingeheimst. Grund genug, die Zeilen zu einem ganzen Artikel auszuformulieren.

Obwohl das Wort Rotation im Fussball aber insbesondere in den Medien sehr im Trend ist, gibt es noch das alte Sprichwort „Never change a winning team“. Schaut man auf die Stammformation des FC Bayern, hat Mario M. den Stammstürmer der letzten Saison Mario G. verdrängt – Trainer Jupp Heynkes gelingt es den Medien zur Folge nur diese Saison besser, die große Anzahl der Spiele zu nutzen, um allen Diven genug Einsatzzeit zu gönnen. Solange der Erfolg da ist, ist der Kuchen für alle groß genug und jeder bekommt ein Stück ab. Zusätzlich sorgen Ausfälle dazu, dass ebenfalls Rotation nötig ist und murrende Spieler verstummen. Es ist also die Mischung aus Rotation und „never change“ die anscheinend den Erfolg bringt. 
Jetzt soll es aber im Taktik im Badminton gehen und erst einmal mit der Einschränkung auf den Bereich „nicht internationale Spitze“. Hier beobachte ich, egal ob es um Bezirks- oder Regionalliga oder um den Jugendbereich geht, oft Abweichungen von einer erfolgreichen Taktik und ggf. dann verlorene Sätze oder gar Spiele. Von „never change a winning tactic“ wird hier also unplanmäßig abgewichen. Taktikwechsel können auch geplant sein – solange dies aber der Fall ist, sind wir immer noch im Bereich des „never change“. Diese Taktikwechsel können mehrere Gründe haben, von denen ich hier drei aufzählen möchte:
 
Zum einen, pures Vergessen, Nicht-Beachten oder Nicht-Wahrnehmen der eigentlichen erfolgreichen Taktik. Dies kann dann ebenfalls an verschiedenen Dingen liegen, Stress, mangelnde Erfahrung oder gar mangelndes taktischen Wissen. Man spielt einen erfolgreiche Taktik, weiß davon eigentlich aber nichts und ändert dann im Spielverlauf entscheidende Dinge. Als Trainer habe ich die Möglichkeit, gerade bei Stress oder Vergessen der Marschroute einzugreifen – ist kein Trainer am Spielfeldrand sollte ich mich als Spieler fragen, warum die Punkte beim Gegner und nicht bei mir landen und was ich daran ändern könnte, statt mich schnell wieder zum nächsten Ballwechsel bereit zu stellen.
 
Ein weitere Grund ist oft – gerade in der Jugend – der Gedanke „der Gegner könnte die Taktik wahrnehmen“. Diesen oft (nicht immer) fehlerhaften Gedanken oder besser die fehlerhafte Folgerung beschreibt auch Brad Gilbert in Winning Ugly (Link zu Amazon) – welches vieler dieser pragmatischen Tipps beinhaltet. Man stellt letztendlich eine These in den Raum und ändert auf Grund dieser schon die erfolgreiche Taktik? Vielleicht oft nicht das Cleverste. Weiterhin muss man sich hier eigentlich fragen, ob der Gegner etwas ändern kann – taktisch und auch technisch / pyhsisch. Hat er überhaupt die taktischen Fähigkeiten, um eine Gegenstrategie zu entwickeln aus denen sich auch noch Nachteile für mich ergeben. Und hat er überhaupt die technischen Mittel, diese Situation anders zu lösen, geschweige den die physischen Mittel. Habe ich zum Beispiel eine Mixeddame auf der anderen Seite, die immer Probleme mit der Annahme des Swipaufschlages hat, dann ändere ich nach fünf erfolgreichen Aufschlägen und Punkten direkter oder indirekter Art nicht die Strategie und schlage plötzlich kurz auf. Anders vielleicht, wenn sie sich etwas weiter nach hinten stellt oder erkennbar (!) ihren Focus nach hinten setzt. Aber selbst dann gilt es auszuloten, ob es für die gegnerische Dame dann reicht, die Situation entsprechend besser zu lösen.
 
Punkt Nr. 3: eigener, ich nenne es einmal „Spieltrieb“ – vielleicht auch Gewohnheit. Ich denke, viele Badmintonspieler werden sich hier wiedererkennen. Man hat eine erfolgversprechende Taktik im Sinn, aber Gewohnheit oder Automatismen (à la ich spiele die Rückhand immer hart oder Clear) führen dazu, dass man die eigentliche Taktik nicht umsetzt. Ebenso in diese Kategorie fallen Trickschläge oder „Sonntagsschläge“ – solange diese nicht zwingend zur Taktik gehören – ist es meist nur schön, wenn sie klappen. Dann muss man sich fragen, was das Ziel ist – Spaß und schön spielen – oder gewinnen. Beides kann ebenfalls klappen – aber meist nicht gegen einen Gegner auf Augenhöhe (es sei denn, eigene Stärken und Automatismen passen zu „100%“ auf den eigentlich gleichstarken Gegner).
 
Ein weiterer Punkt, den ich unbedingt – gerade als Mathematiker – hinzufügen möchte, ist die Betrachtung des Trends. 
In vielen Bereichen werden Trends erhoben – egal ob beim Wetter, in der Wirtschaft oder oder oder. Aber auch in Matches sollte man den Trend als Trainer und als Spieler im Auge haben um, wenn es nötig erscheint, Anpassungen treffen zu können. Sagen wir, ich führe als Spieler zum Start des Matches 8:2 und gehe mit 11:9 in die Satzpause. Dann hat mein Gegner in den letzten Punkten einen Run von 7:3 gehabt. Hier ist nun Vorsicht und Analyse geboten – wenn es einfach so weiter gehen würde, verliere ich den Satz 4-5 Punkten Unterschied. 
An dieser Stelle muss ich genau hinschauen – waren es vielleicht nur einfache Fehler, kann ich mit der Maßgabe, „sicherer“ spielen vielleicht den Satz erfolgreich gestalten. Im Gegensatz dazu war es vielleicht mein Gegner, der eine erfolgreiche Strategie gefunden hat, der ich nichts entgegenzusetzen hatte oder die ich vielleicht gar nicht erkannt habe. Darüber müssen sich Spieler und Trainer dann Gedanken machen. Dies gilt es auch bei Satzpausen zu berücksichtigen. 
Ein typisches Beispiel das auch rein sportpsychologisch sehr interessant ist, wäre folgendes: Der Spieler liegt mit hohem Rückstand 11:17 zurück und verliert denkbar knapp nach 20:20 mit 20:22. Ärgerlich? Könnte sein – aber der Ärger wäre für den 2.Satz nicht förderlich. Schaut man den letzten Trend an, gibt das Ergebnis einen Zwischenstand von 9:5 Punkten her – eine durchaus positive Nachricht an den Spieler, die – statt des verlorenen Satzes – mit in den Folgesatz genommen werden sollte – schließlich hat man im letzten Drittel des Satzes anscheinend vieles richtig gemacht.
 
Beherzigt man beide Gedanken „never change a winning tactic“ und die des Trends, dann lassen sich einige Spiele anders und ggf. mit anderem Ausgang gestalten. 
 
Viel Spaß beim Ausprobieren wünscht, 
 
Diemo Ruhnow
 
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