Mixedtaktik - Gedanken zur Taktik im gemischten Doppel - Teil 1

Mixedtaktik ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Dieser Artikel ist der Auftakt einer kleinen Reihe zur Taktik im Badminton Mixed.

Beim Umgestalten der Seite mit den neuen Untermenupunkten ist mir aufgefallen, dass sich erstens die Seite mittlerweile sehr gut gefüllt hat aber auch zweitens, dass der Bereich Taktik der kleinste Bereich ist und insbesondere zur Mixedtaktik kein einziger spezifischer Artikel vorhanden war. Auch in der Literatur wird dem Mixed eher eine kleine Gewichtung gegeben, liegt der Hauptfocus zunächst in der Vermittlung des Doppelspieles. 
 
Das rührt meiner Meinung nach aus mehreren Dingen - zum einen haben wir in Deutschland im Anfängertraining noch immer zu sehr den alleinigen Focus auf der Badmintontechnik, zumeist auch noch nur der Schlagtechnik, und Taktiktraining allgemein fällt schon etwas herunter. Zum anderen kann Taktiktraining des Doppels als Voraussetzung für das Taktiktraining des gemischten Badmintondoppels gesehen werden - und daher wir mehr über Doppel gesprochen und geschrieben. Und weiterhin - aber dies ist rein subjektiv - wird in den Vereinen eher Einzel und Doppel gespielt, weil es seltener ausgeglichene Mixedpaarungen gibt. 
 
Diese mangelnde Spiel- und Lehrerfahrung führt dann zu einer Menge an taktischen Fragezeichen in den Gesichtern der Mixedspieler und zu Unsicherheiten in den meisten Spielsituationen. 
 
Diese Unsicherheiten und Fragezeichen sollen in dieser kleinen Serie über das Taktiktraining im Mixed beseitigt werden und einen kleinen Einblick in das Training dieses Disziplin geben. Für diese Serie plane ich grob:
 
Teil 1: Einführung Stellungsspiel / System im Angriff & Eine Frage des Systems
Teil 2: Aufgaben der Mixeddame & des Mixedherren sowie Mixed-Mythen
 
Zunächst ist das Wichtigste festzustellen, warum Unterschiede zwischen Herren- oder Damendoppel zum Mixed existieren und dann Änderungen in der allgemeinen Doppeltaktik Sinn machen. Der (einzige?) Hauptgrund sind die unterschiedlichen physischen Fähigkeiten zwischen Männlein und Weiblein - aus dieser Feststellung resultieren dann letztendlich alle Ableitungen, die für das Mixedspiel getroffen werden können und sollten.
 
Besitzt der Mann bessere physischen und badmintonspezifische Fähigkeiten, dann macht es Sinn, dass dieser im Angriff ("vorne/hinten") die hintere Position übernimmt, weil er zum einen läuferisch dann einen größeren Teil des Spielfelder abdecken muss und zum anderen effektiver, weil härter und/oder variabler und damit gefährlicher auf das gegnerische Doppel angreifen kann. Sollte dies nicht der Fall sein - und es gibt da gerade in den unteren Klassen viele Beispiele, z.B. bei einer sehr starken Dame, dann kann es also durchaus sein, dass man sich einigt, dass statt einer speziellen Mixedtaktik ganz "normal" Doppel gespielt wird. 
 
Nimmt man diese Ausgangsposition im Mixed ein ("Mann hinten / Frau vorne") dann ist es erstmal nur noch eine Frage des Angriffssystemes - für ein genaueres Bild der verschiedenen Systeme bitte die folgenden Videos anschauen:
 
 
Eine naheliegende vierte Möglichkeit wäre der sogenannte Classic-Angriff mit der Positionierung der Dame relativ in der Mitte, also einer Position zwischen dem klassischen Tunnel- und dem Versetzten Angriff. 
  
Auf Grund des höheren Potential an physischen Fähigkeiten setzen wir als Grundannahme voraus das der Mixedherr einen mindestens gleichguten, wenn nicht sogar besseren Hinterfeldangriff als seine Mixeddame besitzt, wenn man die Laufarbeit im Hinterfeld sowie die Angriffsfähigkeit betrachtet. Dies ist natürlich nicht immer so, beispielsweise kommt es oft vor, dass eine in der Vergangenheit höherklassig spielende Dame in einer tieferen Klasse antritt und somit teilweise besser als der erste Herr der Mannschaft ist. 
 
Diese Fälle wollen wir aber hier nicht betrachten, bzw. wäre es ein einfaches dieses Fall so zu betrachten, als wenn Dame und Herr gleich stark sind – im anderen Falle müssten lediglich die Rollen getauscht werden. Sind Dame und Herr gleich stark, bieten sich letztendlich alle möglichen Doppelsysteme auch an – in erster Linie vielleicht der Breite Angriff in dem es bei cleveren Einsatz es den beiden ermöglicht, durch cleveres Platzieren der Angriffsschläge aus dem Hinterfeld und Midcourt, sich die Arbeit in diesem Bereich zu teilen. Dies gilt vor allen Dingen auch für den U11/U13-Bereich, wo die körperlichen Fähigkeiten der Mädchen denen der Jungs in gleicher Entwicklungsstufe noch oft überlegen sind. 
 
Der Tunnelangriff bietet sich vor allen Dingen in den folgenden Situationen an: 
 
i) Der Angriff der Mixedherren aus dem Hinterfeld ist sehr stark, so dass es der gegnerischen Paarung nur möglich ist, einen geraden Smash auch als geraden Block wieder zu retournieren. 
 
ii) Dies kann z.B. situativ auch der Fall sein, wenn die gegnerische Mixeddame longline gegenüber dem angreifenden Mixedherren steht. Steht der Mixedherr gegenüber, wird ggf. bei größerer erwarteter Variabilität ein anderes System oder Positionierung gewählt. 
 
iii) Der Angriff erfolgt aus der „Links-vom-Kopf“-Ecke bzw. der Rückhandecke , so dass der Hinterfeldherr eine mögliche Cross-Drive-Abwehr auch mit der ggf. stärkeren Vorhand erreichen kann. 
 
Die Möglichkeiten des Einsatzes der versetzten Angriffes können nun fast davon abgeleitet werden: 
 
i) Der Angriff des Herren ist verglichen mit der Abwehrfähigkeit der gegnerischen Paarung eher mäßig ausgeprägt. Nun deckt die Dame im Angriff eher den Cross-Bereich ab, während der Herr den Longline-Drive auf seine Seite aggressiv decken muss (durch gute Nachbereitung aus dem Hinterfeld). Zusätzlich sollte der Herr entsprechend dieser Position der Dame angreifen, so dass diese eine Abwehr auf die Seite der Dame provoziert. 
 
ii) Ebenfalls ist „versetzt“ sinnvoll, wenn der gegnerische Mixedherr longline gegenüber dem angreifenden Mixedherren steht – in diesem Fall ist das Feld breiter gedeckt. 
 
iii) Der Angriff erfolgt aus der „Rechts-vom-Kopf“-Ecke bzw. der Vorhand , so dass der Hinterfeldherr eine mögliche Cross-Drive-Abwehr nicht mit der ggf. schwächeren Rückhand kontern muss.
 
Die vierte Option, die sogenannte Classic-Position ist eine Position in der relativ in der Mitte. Voraussetzung, dieses System spielen zu können ist eine gute Lesefähigkeit der Mixeddame, so dass diese eine Vielzahl von Konter- und Blockschlägen mit positiven Treffpunkten durch frühes Erkennen und gute Beinarbeit (=Sprünge) erreichen kann. Der Herr muss ebenfalls eine gute Beinarbeit im Hinterfeld besitzen, weil er in diesem System bei guter gegnerischer Abwehr oft von links nach rechts im Midcourt und Hinterfeld arbeiten muss. Wichtig ebenfalls die Fähigkeit (vgl. Tunnelangriff) entweder sehr hart und/oder sehr clever platziert anzugreifen, so dass die gegnerische Abwehr durch den Deckungsschirm der Dame geht.
 
Wichtig: 
 
1) Dies alles sind Grundannahmen mit einer Menge „it depends“ = es kommt darauf an und daher Verallgemeinerungen um das Grundkonzept besser zu verstehen. Wahre Spielsituationen sind teilweise komplexer. 
 
2) Oft scheitert ein System an der zu nah am Netz stehenden Dame, diese sollte mindestens zwischen ein bis zwei Schlägerlängen hinter der Aufschlaglinie stehen ODER es scheitert am Angriffsverhalten des Herren. Dieser muss entsprechen des Systems clever angreifen und sich gut im Hinterfeld und Midcourt bewegen, um den Angriff auch aufrecht halten zu können.
 
Teil 2 der Reihe zur Mixedtaktik beschäftigt mit Fähigkeiten, die ein Mixedherr besitzen sollte, sowie mit den Fähigkeiten der Dame. 
 
Viel Spaß beim Umsetzen wünscht, 
 
Diemo Ruhnow
 

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